Ostbelgien

Am Ende fehlten die Kräfte

Roller Bulls starteten am vergangenen Samstagabend in der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga in die Rückrunde

Von Gerd Hennen

 

Hamburg.-  „Befreit aufspielen und vielleicht doch noch das Wunder schaffen!“, so die Aussage von Coach Stefan Veithen nach einer doch unter dem Strich enttäuschenden Hinrunde und einem derzeitigen Abstiegsplatz.  Gegen die Mannschaft aus Hamburg, die sich in der Sommerpause personell enorm verstärkte und sich unter den Final-Four des DRS-Pokal qualifizieren konnte, hatten die Roller Bulls noch eine offene Rechnung zu begleichen.  Die 82:52-Auftaktniederlage vor heimischer Kulisse im ersten Meisterschaftsspiel schmerzte besonders schwer.

 

Nachdem Marc De Vos vor einigen Wochen seine Zelte in St.Vith abgebrochen hatte, ereilte den Verantwortlichen eine erneute Hiobsbotschaft.  

 

Van Rompaey und De Vos keine Bulls mehr

 

Der groß gewachsene Neuzugang Yono Van Rompaey sagte seine Teilnahme an der Rückrunde in der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga ab. „Natürlich ist seine Entscheidung nachvollziehbar, hat er doch einen neuen Job gefunden und steht somit nicht mehr für das doch aufwändige Trainingspensum zur Verfügung.  Schade sicherlich, denn in einem solch kleinen Team wie dem Unseren sind wir auf jede Kraft angewiesen.  Mit seinem Verzicht, in der Rückrunde mitzuspielen wurden wir zudem arg in unseren taktischen Möglichkeiten beschnitten“, so Stefan Veithen.  Auch Jamaa Saadi konnte die lange Reise nach Hamburg aus beruflichen Gründen nicht antreten, während Co-Trainer Juan Bernal wegen eines Magen- und Darminfektes ebenfalls nicht im Besitz seiner vollen Kräfte war. „Das ist halt die Krux der kleinen Mannschaften, so dass wir gegen den BG Baskets Hamburg lediglich mit sieben Spielern antreten konnten und somit auch in der taktischen Ausrichtung enorm eingegrenzt waren“,  erklärte Stefan Veithen nach der Rückkehr aus der Hansestadt.

Hamburg durchlebt in der laufenden Meisterschaft ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle.  Während es für das Team von Holger Glinicki im Pokal bestens läuft, mussten die ambitionierten Hamburger in der Bundesliga bereits die eine oder andere herbe Niederlage einstecken und liegen als Sechster im Niemandsland der Tabelle.  Nur eine exzellente Rückrunde könnte das Saisonziel vom Erreichen der Playoffs noch ermöglichen.  „Die Playoffs sind aufgrund unserer Investitionen in die Mannschaft unser absoluter Anspruch.  Alles andere wäre für uns eine Enttäuschung“, so der Hamburger Coach in einem Interview nach der Partie gegen die Roller Bulls.

 

Bulls lange Zeit auf Augenhöhe

 

Der Druck, der offensichtlich auf den Hamburger Spielern lastete, wurde am Samstagabend vor allem während der ersten beiden Spielabschnitte deutlich. So konnten die Bulls die erste Halbzeit auf Augenhöhe gestalten.  Trotz Treffern von Philippe Minten und Lorenzo Boterberg führten die Baskets nach den ersten zehn Spielminuten mit 14:9.  Das zweite Viertel konnten die Gäste aus St.Vith mit 14:12 noch enger gestalten, so dass die Glinicki-Truppe zur Pause mit 28:21 führte.  Bereits in dieser Phase des Spiels wurde die hohe Treffsicherheit von Hamburgs Mustafa Korkmaz deutlich, der sich immer wieder hervorragend in Szene setzte und nach Belieben traf. Auch nach dem Pausentee wirkten die Roller Bulls konzentriert und taktisch hervorragend eingestellt.  So hielt das Team von Stefan Veithen die Gäste während weiteren fünf Minuten hervorragend in Schach.  Hamburg wusste während des gesamten Spiel geschickt zu rotieren und somit hervorragend mit seinen Kräften hauszuhalten.  Mit zunehmender Spieldauer zollten die Bulls dem hohen Tempo Tribut; vor allem der wegen Krankheit geschwächte Juan Bernal baute in dieser Phase mächtig ab.  Das dritte Viertel ging somit mit 23:14 klar an die Gastgeber, die vor dem finalen Spielabschnitt deutlich mit 51:35 in Führung lagen.  Die St.Vither Rollstuhlbasketballer hatten auch während der letzten zehn Minuten dem schnellen Spiel der Hamburger nichts mehr entgegenzusetzen und brachen regelrecht ein.  Mit 20:6 ging das Team von Stefan Veithen unter, so dass am Ende – ähnlich wie bereits beim Hinspiel in St.Vith – mit 71:41 eine 30-Punkte-Niederlage auf der Anzeigetafel in der Arena „Im Inselpark“ prangerte. Für die Roller Bulls eine weitere Niederlage in einer bislang durchweg verkorksten Saison.  Am 3. Januar empfangen die St.Vither Rollstuhlbasketballer mit dem RSC Rollis aus Zwickau einer der absoluten Übermannschaften der Serie.  Bleibt demnach abzuwarten, ob die Bulls in diesem Jahr noch einmal den Kopf aus der Abstiegsschlinge herausgezogen bekommen.  Es wäre sicherlich wünschenswert, zumal die belgischen Vertreter in der deutschen Bundesliga unter reinen Amateurbedingungen kämpfen, während konkurrierende Teams unter Profikonditionen mit einem traumhaften Etat jeweils ihren Kader zusammenschnüren können.

 

Die Zwischenergebnisse:

1. Viertel           14:9

2. Viertel           14:12

3. Viertel           23:14

4. Viertel           20:6

Endstand          71:41

 

Es spielten und trafen für

 

BG Baskets Hamburg: Annika Zeyen (0), Mustafa Korkmaz (25), Robin Poggenwisch (6), Mareike Miller (6), Desiree Miller (5), Gesche Schünemann (6), Jan-Niklas Neuroth (4), Reo Fujimoto (15), Hiroaki Kozai (4)

 

Roller Bulls: Arthur Fievet (7), Juan Bernal (0), Lorenzo Boterberg (24), Mounir Moujoud (2), Philippe Minten (8), Ralph Huylebroek (0), Stefan Veithen (0)

 

 

Stimme zum Spiel:

 

Stefan Veithen, Coach der Roller Bulls: „Natürlich sind wir weiterhin die krassen Außenseiter, besonders wenn es gegen eine personell so starke Truppe wie Hamburg geht.  Dennoch ist es uns gelungen, Hamburg während über 25 Minuten den Schneid abzukaufen, bevor schließlich unsere eigenen Kräfte schwanden und wir in der Schlussphase regelrecht einbrachen.  Zum Abgang von Marc de Vos und Yono Van Rompaey kam sicherlich heute auch das Fehlen von Jamaa Saadi sowie die Magen- und Darmgrippe von Juan Bernal erschwerend hinzu.  Unser Kader ist leider nicht so reich bestückt, dass wir gleich mehrere Abwesenheiten kompensieren könnten.  Mir einer Bank von nur sieben Spielern sind wir taktisch begrenzt, aber auch physisch unseren Gegnern im Laufe eines Spiels immer unterlegen.  Schade, denn auch gegen Hamburg haben wir uns lange Zeit teuer verkauft und die Baskets mitunter Sorgen bereitet.  Wenn man die Hinrunde analysiert muss man eindeutig die drei verpassten Gelegenheiten ansprechen, die uns dem Klassenerhalt näher gebracht hätten.  Das enge Spiel gegen Kaiserslautern, die große Chance, den Derbykontrahenten aus Trier ohne den damals verletzten Dirk Passiwan zu schlagen sowie die vermeidbare Niederlage in Köln hätten uns gut getan.  Nun stehen wir am Tabellenende und nur noch ein kleines Wunder kann uns retten.  Wir werden alles Mögliche versuchen um alle unsere Chancen auf den Klassenerhalt zu wahren und versprechen den Fans somit weiterhin kämpferisch-aggressive Spiele.  Das sind wir unseren treuen Zuschauern schuldig. Darüber hinaus ist das St.Vither Publikum so sachkundig, dass sie selbst bei einer Niederlage unsere Leistung schätzen und honorieren.  So werden auch Niederlagen für uns erträglicher.  Ich danke den Fans der Roller Bulls jedenfalls für das tolle vergangenen Jahr und wünsche allen Freude, Glück, Erfolg und Gesundheit im anstehenden Jahr 2015“.

 

Die Tabelle nach dem 10. Spieltag

 

1

RSV Lahn-Dill

20:0 

10 

10 

796:419 

377 

2

OETTINGER RSB Team Thüringen

16:4 

10 

750:510 

240 

3

BSC Rollers Zwickau

16:4 

10 

734:536 

198 

4

GOLDMANN Dolphins Trier

14:6 

10 

697:596 

101 

5

BG Baskets Hamburg

10:10 

10 

699:613 

86 

6

Rolling Devils Kaiserslautern

8:12 

10 

556:657 

-101 

7

Mainhatten Skywheelers

8:12 

10 

545:698 

-153 

8

Köln 99ers (RBBL)

6:14 

10 

536:689 

-153 

9

Roller Bulls St. Vith

2:18 

10 

558:773 

-215 

10

Jena Caputs

0:20 

10 

10 

366:746 

-380 

 

Die Spiele vom Wochenende

 

Oettinger RSB Team

Mainhatten Skywheelers

84 : 43

(41:15)

BG Baskets Hamburg

Roller Bulls

71 : 41

(28:21)

BSC Rollers Zwickau

Jena Caputs

75 : 38

(38:14)

FCK Rolling Devils

Goldmann Dolphins Trier

56 : 65

(26:31)

Köln 99ers

RSV Lahn-Dill

53 : 95

(28:44)