Ausgeträumt?

Schmerzliche 79:55 Niederlage der Bulls im „Spiel der Spiele“ gegen die Rhine River Rhinos aus Wiesbaden

Wiesbaden.- Eigentlich sollte die Ausfahrt nach Wiesbaden nach der langen Winterpause für die ostbelgischen Rollstuhlbasketballer der Roller Bulls zur Triumphfahrt werden.  Durch einen Auswärtserfolg gegen den Tabellenzweiten aus Wiesbaden wollte das Team von Coach Michael Maréchal das Ticket für den direkten Wiederaufstieg in die Erstklassigkeit einlösen.  Doch es sollte anders kommen, denn trotz der intensiven Fanunterstützung vor Ort wurden die Bulls von den Rhinos mit 79:55 in aller Deutlichkeit in die Schranken gewiesen.  Aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs eroberten die Wiesbadener die Tabellenführung und gelten nun als haushoher Favorit für den Aufstieg.

Rund 400 Zuschauer verfolgten das Spitzenspiel und erlebten in den Anfangsminuten einen packenden Fight zweier äußerst nervös agierender Mannschaften. 

Nervös

Mit der St.Vither Starting Five mit Mounir Moujoud, Bart Nulens, Arthur Fievet, Jamaa Saadi und Lorenzo Boterberg fanden die Bulls zunächst kein probates Mittel gegen die Gastgeber aus Wiesbaden, die mit Oliver Hoffmann in Führung gehen konnten.  Erst in der 5. Minute gelang es den Gästen durch Arthur Fievet erstmals mit 8:5 in Führung zu gehen.  Die Rhinos zeigten sich mit zunehmender Spieldauer jedoch nervenstark und unter dem gegnerischen Korb extrem kaltschnäuzig.  Das Quartett Oliver Hoffmann, Janet McLachlan, Klaus Weber und David Amend bereiteten den Bulls zusehends Kopfzerbrechen, so dass Wiesbaden das erste Viertel mit 19:15 für sich entscheiden konnte.  

Überragender Oliver Hoffmann

Die Gastgeber legten im zweiten Spielabschnitt sofort nach und erhöhten auf 29:19.  Trotz einer Auszeit von Michael Maréchal zur taktischen Neuausrichtung fanden die Roller Bulls in dieser Phase des Spiels kein Mittel um die Kreise der Wiesbadener merklich einzugrenzen.  Diese Führung der Wiesbadener konnte bis zur Halbzeit auf 40:32 ausgebaut werden.  Diese längere Halbzeitpause nutzten die Bulls zur Neuorientierung.  Mit einem 5-Punkte-Lauf durch Treffer von Lorenzo Boterberg und Christophe Van Houcke konnten die St.Vither Rollstuhlbasketballer innerhalb von nur drei Minuten beim Stande von 40:37 auf drei Punkte herankommen.  Die Rhinos zeigten sich jedoch in dieser Phase wenig beeindruckt und stellten durch einen beeindruckenden Zwischenspurt mit Treffern von Amend, McLachlan und Weber den 10-Punkte-Vorsprung schnell wieder her.  Ein in Bestform agierender Oliver Hoffmann legte bis zum Ende des dritten Spielabschnittes nach und sorgte somit für den vorentscheidenden 60:43-Vorsprung der Rhinos vor dem Finalviertel. 

17-Punkte-Vorsprung

Die Bulls setzten jetzt alles auf eine Karte und versuchten die Gastgeber mit einer konsequenten Pressdeckung aus dem Spielkonzept zu bringen. Dies zeigte auch kurz Wirkung, kamen die Bulls doch auf 60:47 heran, doch ein fulminanter 15:2-Lauf in der Schlussphase besiegelte das Schicksal des ostbelgischen Vertreters in der 2. Rollstuhlbasketball-Bundesliga Süd jäh.  Am Ende unterlagen die Bulls dem Widersacher aus Wiesbaden deutlich und verdient mit 79:55.  Matchwinner sicherlich Oliver Hoffmann, der sich mit 38 Punkte in die Topscorer-Liste eintrug. Mit dieser Niederlage scheint das Thema des direkten Aufstiegs für die Bulls ad acta gelegt, müssten die Rhinos doch jetzt in den verbleibenden Spielen gegen Konkurrenten aus dem unteren Tabellenbereich Federn lassen.  Die Bulls zeigten sich nach dem Abpfiff zwar niedergeschlagen, erwiesen sich jedoch auch als fairer Verlierer indem sie die Übermacht der Wiesbadener neidlos anerkannten.  Jetzt heißt es vorerst einmal die eigenen Wunden zu lecken, um die noch ausstehenden Partien voller Elan zu bestreiten.  Ein kleiner Funken Hoffnung besteht ja noch, so dass die Bulls weiter angreifen müssen und auch werden. 

Zwischenstände:

1. Viertel             19:15

2. Viertel            21:17

3. Viertel            20:11

4. Viertel            19:12

Endstand            79:55

Es spielten und trafen:

Rhine River Rhinos: Hoffmann (38), Amend (16), Weber (11), McLachlan (9), Güntner (3), Dillmann (2), Antac, Jung, Schwarz, Gerber, Witte

Roller Bulls: Moujoud (0), Minten(9), Van Houcke (20), Bernal (2), Nulens (2), Fievet (8), Saadi (4), Boterberg (10), Veithen, Huylebroek.

Stimmen zum Spiel:

Cliff Fisher, Headcoach der Rhine River Rhinos: „Unsere Defensivleistung zusammen mit dem mentalen Setting haben heute den Ausschlag gegeben. Wir haben acht Trainingseinheiten eingelegt. Alle Spieler waren bis in die Haarspitzen motiviert. Dass wir zu Beginn nervös waren, war klar und nicht weiter schlimm. Oliver Hoffmann ist „Man of the Match“, dessen „Fireskills“ heute zum Tragen kamen. Aber auch er benötigt ein Team im Rücken, das meiner Meinung nach jetzt schon bundesligatauglich ist. Allen muss klar sein, dass wir noch nicht aufgestiegen sind. Dies war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber die Saison ist noch nicht zu Ende.“

Stefan Veithen, Co-Trainer der Roller Bulls: „Natürlich wiegt die Niederlage heute schwer und stimmt traurig, denn heute haben wir wahrscheinlich unseren direkten Wiederaufstieg in die Erstklassigkeit verpasst.  Allerdings gab es heute auch nicht viel für uns hier in Wiesbaden zu bestellen, denn die Gastgeber waren uns in allen Belangen überlegen und haben daher auch in dieser Deutlichkeit verdient gewonnen.  Wir haben einfach zu viele einfache Dinge liegen lassen und konnten auch das zweimalige Herankommen nicht zu einem noch größeren Leistungsschub nutzen.  Vielleicht war die doch recht ungünstige Vorbereitung während der viel zu langen Winterpause für diese Leistung verantwortlich.  Ähnlich wie bereits im Hinspiel hat Oliver Hoffmann das Spiel der Wiesbadener bestimmt.  Das hätten wir eigentlich wissen müssen und hätten ihn besser in den Griff bekommen müssen.  Wir hatten einfach einen schlechten Tag und müssen halt das Beste aus der Situation machen.  Die Saison haben wir noch lange nicht abgehakt und wer uns kennt weiß, dass wir bis zur letzten Sekunde kämpfen werden.  Doch jetzt haben wir unser Schicksal in Bezug auf den Aufstieg nicht mehr in eigener Hand sondern müssen auf einen Ausrutscher der Rhinos hoffen.  Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist zwar gering, doch im Basketball ist schier alles möglich.  Wir müssen nur daran glauben und unsere eigenen Leistungen bringen.  Der Frust und die Enttäuschung halten sich relativ in Grenzen, da wir ja nicht knapp, sondern deutlich verloren haben.  So viel Realist muss man sein, um die Sachlage entsprechend zu analysieren“.