Bayern-Odyssee mit Pleiten, Pech und Pannen

Iguanas München 59 Roller Bulls 43

Die Roller Bulls lieben keineswegs lange Ausfahrten, gelten diese doch aufgrund der stundenlangen Autofahrten als körperlich besonders anstrengend.  Am Samstagabend stand mit München zwar das entfernteste Auswärtsspiel der Saison auf der Agenda, doch wollten die Akteure um Spielertrainer Stefan Veithen um jeden Preis die lupenreine Punkteweste konservieren und somit auch die Weichen für einen möglichen Aufstieg ins Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs stellen.  Diese Pläne wurden jedoch durch unvorhersehbare Widrigkeiten jäh zerstört.

Bereits vor der Abfahrt ereilte Coach Stefan Veithen eine Hiobsbotschaft der besonderen Art, musste doch mit Christophe Van Houcke einer seiner Topscorer wegen eines Darminfektes kurzfristig seine Teilnahme absagen.  

Darminfekt, Stau und Radbruch

„Christophe ist für uns ein Führungsspieler, der es immer wieder schafft, brenzlige Situationen aufgrund seiner Ruhe und seiner Übersicht zu entschärfen.  Sein Fehlen war schon ein großer taktischer Verlust.“, resümierte Stefan Veithen.  Doch es sollte noch schlimmer kommen, denn einer der beiden Bulls-Minibusse geriet ca. 70 Kilometer vor München in einen großen Stau und steckte während rund zwei Stunden fest. Der zweite Bus kam erst nach 20 Uhr im Iguanadome in München an, so dass von Aufwärmphase und taktischem Feinschliff keine Rede sein konnte.  Zudem brach am Stuhl von Nazif Comor ein kleines Stützrädchen ab, was das Spiel des Bulls-Hünen sichtlich beeinträchtigte.  „Heute war schier alles gegen uns.  Es gibt halt solche Tage, an denen wirklich rein gar nichts klappt.  So einen hatten wir heute!“, erklärte Stefan Veithen. 

Auf Augenhöhe

Trotz dieser schlechten Voraussetzungen begannen die Bulls gewohnt aggressiv und kampfstark.  Die schnelle Führung von Juan Bernal glichen die Gastgeber schnell durch den quirligen Florian Mach aus.  Joseph Wernberger und vor allem Benjamin Ryklin überzeugten in dieser Phase durch engagierte Spielweise und eine hohe Trefferquote, so dass das Team von Andreas Ebertz nach den ersten zehn Spielminuten bereits mit 16:13 in Führung lag. Es gestaltete sich im zweiten Spielviertel ein offener Schlagabtausch auf gleicher Augenhöhe: während die Gäste aus Belgien durch Nazif Comor und Jamaa Saadi punkteten, gelang es den Münchenern vor allem in der Schlussphase den eigenen Vorsprung Punkt um Punkt auszubauen.  Und wieder waren es die drei Musketiere Florian Mach, Joseph Wernberger und Benjamin Ryklin, die sich in die Trefferlisten eintrugen.  Das magere Punkteergebnis von 11:7 in diesem zweiten Viertel verdeutlichte hingegen die Defensiv-Power beider Teams.  

Schwindende Kräfte

Nach dem Seitenwechsel spielten die Münchener wie entfesselt auf und vergrößerten den Vorsprung zwischenzeitlich durch Joseph Wernberger und Thomas Palaver auf elf Punkte (31:20).  Stefan Veithen reagierte mit einer Auszeit, die er dazu nutzte, sein Team taktisch neu zu ordnen.  Diese Anweisungen fruchteten auch prompt, denn Nazif Comor und Juan Bernal wussten auf 31:26 zu verkürzen.  Vor dem Finalviertel lagen die Leguane aus München mit 39:31 in Front.  Stefan Veithen warf noch einmal alles in die Waagschale, musste aber schlussendlich der schwindenden Kraft Tribut zollen.  An diesem Nachmittag wuchs vor allem Benjamin Ryklin über sich hinaus.  Mit seinen insgesamt acht Punkten in Serie (49:35) sorgte er vier Minuten vor dem Spielende für die Vorentscheidung.  „Wir gingen nach diesem deutlichen Rückstand volles Risiko und fingen uns einige Tempogegenstöße ein.  Aus diesem Grund ist unsere heutige Niederlage auch so deutlich ausgefallen“, erklärte Stefan Veithen.

Am Ende siegte das Team von Andreas Ebertz mit 59:43 und setzte sich somit weiter an der Spitze der 2. Rollstuhlbasketball-Bundesliga Süd fest.  Für die Bulls sicherlich ein Spieltag zum Vergessen - es könne nur besser gehen, bemerkten einige Spieler zuversichtlich.

Die Zwischenstände:

Viertel 16:13
Viertel            11:7
Viertel            12:11
Viertel            20:12
Endstand   59:43

Es spielten und trafen:

RBB Iguanas München: Benjamin Ryklin (24), Laura Fürst (0), Florian Mach (17), Thomas Palaver /6), Joseph Wernberger (8), Randy Uhl (0), Gabriel Robl (2), Johanna Welin (0), Uli Schmölz (0), Katharina Lang (2)

Roller Bulls: Mounir Moujoud (2), Juan Bernal (17), Bart Nulens (5), Jamaa Saadi (6), Pieter Dries (0), Nazif Comor (11), Philippe Minten (2), Quoc Binh Pho (0), Stefan Veithen (0)

Stimmen zum Spiel:

Andreas Ebertz, Headcoach der RBB Iguanas München: „Unser Matchplan war eine konsequente, harte Defense.  Dadurch wollten wir die Bulls nicht zu ihrem Spiel kommen lassen. Diese Vorgabe hat das Team zu 100% erfüllt. Im Angriff haben wir geduldig auf unsere Chancen gewartet und diese dann sehr oft genutzt. Es war ein verdienter Sieg über einen bärenstarken Gegner.  Ein klasse Kraftakt des Teams! Im letzten Spiel des Jahres gegen Lahn-Dill heißt es daran anzuknüpfen!“

Stefan Veithen, Coach der Roller Bulls: „Die Vorgaben für dieses Spitzenspiel waren aus unserer Sicht einfach zu schlecht, so dass uns am Ende geschlagen geben mussten.  München hat heute sicherlich verdient gesiegt, doch bin ich davon überzeugt, dass wir mit voller Mannstärke und ein bisschen weniger Stress während der Anfahrt gesiegt hätten.  Natürlich ist es schade gegen einen direkten Mitbewerber um den Aufstieg zu verlieren, doch haben wir in den vergangenen Spielen unsere Qualitäten unter Beweis gestellt, so dass wir uns keineswegs durch ein solches Negativmoment aus der Bahn werfen lassen.  Es hätte heute ein großer Schritt in Richtung Aufstieg werden können; jetzt sind wir erneut geerdet worden, so dass wir im nächsten Spiel gegen Frankfurt erneut voll angreifen müssen.“ 

Die übrigen Ergebnisse des 6. Spieltages:

Sabres Ulm - RSV Lahn-Dill II 66:60