Ostbelgien

Bulls ohne Zielwasser

Roller Bulls Ostbelgien 35 BG Baskets Hamburg 58

Die Euphorie nach dem Auswärtssieg gegen die Köln99ers war in den Reihen der ostbelgischen Roller Bulls entsprechend groß, wenngleich sich der Trainerstab um Stefan Veithen und Juan Bernal gegen die starken Hamburger nur krasse Außenseiterchancen ausmalte. Am Ende wurde die Partie zu einem Trauerspiel der verpassten Treffer. „Heute wäre deutlich mehr drin gewesen!“, bemerkte Stefan Veithen nach der Partie.

Mit der Starting Five um Bart Nulens, Nazif Comor, Terence Edja-Wato, Mounir Moujoud und Jamaa Saadi begannen die Roller Bulls spielerisch überzeugend, doch unter dem gegnerischen Korb eher zahnlos.

Grotten schlechte erste Halbzeit

Der erste Korb von Jamaa Saadi ließ fast drei Minuten auf sich warten. Auch die Hamburger taten sich in dieser Anfangsphase beim Punkten schwer, wenngleich Reo Fujomoto, Vasily Kochetkov, Mareike Miller und Alireza Ahmadi nach acht Spielminuten ein kleines 14:6-Break herausspielten. Stefan Veithen reagierte und brachte den wegen eines verstauchten Fingers nicht hundertprozentig einsatzfähigen Topscorer Lorenzo Boterberg; doch auch mit Boterberg kam keine Wende. Während die Roller Bulls allmählich an ihrem Wurfpech verzweifelten, kam der HSV indes langsam in Fahrt und beendete das Auftaktviertel mit einem 18:8-Vorsprung.

Nur 2 Freiwurfpunkte in einem Viertel

Der zweite Spielabschnitt sollte für die Gastgeber aus St.Vith noch schlechter ausfallen, denn außer zwei Freiwurfkörben von David Offermann in der 11. Minute gelang der Veithen-Truppe bis zur Halbzeitpause kein einziger Treffer mehr. Hamburg bekleckerte sich in dieser Phase ebenfalls nicht mit Ruhm, baute aber den eigenen Vorsprung stetig aus. So lag das Team von Holger Glinicki zur Pause deutlich mit 34:10 in Führung. Die Trefferquote wurde auch nach dem Seitenwechsel nicht wesentlich besser. Immer wieder kullerte der Ball über den Wurfring. Nichtsdestotrotz übernahmen einige Bulls die Initiative und verbuchten einige Treffer, die das dritte Viertel mit einem Zwischenergebnis von 11:14 als „ausgeglichen“ bewerten ließen. Mit einem 48:21-Vorsprung gingen die Hanseaten schließlich ins Schlussviertel. Trotz der Treffermisere ließen die Roller Bulls Ostbelgien zu keinem Moment die Köpfe hängen und kämpften verbissen um jeden Ball.

Kampfmoral war vorhanden

Über diese Kampfbereitschaft verbesserte sich auch die Treffsicherheit allmählich. Jamaa Saadi und Robby Hulsmans sorgten mit ihren Treffern dafür, dass das Schlussviertel mit 14:10 zugunsten der Bulls ausfiel. Die Hamburger siegten am Ende verdient mit 58:35, während sich die Bulls über vergebene Chancen ärgern mussten. In der genauen Analyse wird deutlich, dass die Bulls die zweite Halbzeit sogar knapp mit 25:24 für sich entscheiden konnten. Der Knackpunkt des Spiels war eindeutig die Grotten schlechte Chancenverwertung im zweiten Viertel. Auch die weitere Analyse der Scorerliste verdeutlicht den „schlechten Tag“ der Bulls eindeutig. So ging Nazif Comor völlig leer aus während Lorenzo Boterberg lediglich ein magerer Freiwurfpunkt gelang. Topscorer der Roller Bulls Ostbelgien wurde indes Jamaa Saadi mit 14 Punkten. Beim HSV wurde Reo Fujimoto mit 20 Punkten bester Werfer seiner Mannschaft und des gesamten Spiels. Gegen den Spitzenreiter Thuringia Bulls werden sich die Roller Bulls Ostbelgien anders präsentieren müssen um ein Punktdebakel abzuwenden. Da die Konkurrenten im Abstiegskampf aus Köln und Wiesbaden ebenfalls patzten, bleiben die Roller Bulls Ostbelgien vorerst auf dem drittletzten Tabellenplatz.

Es spielten und trafen:

Roller Bulls Ostbelgien: Nazif Comor (0), Jamaa Saadi (14), Mounir Moujoud (6), Philippe Minten (0), Terence Edja-Wato (6), Robby Hulsmans (4), Bart Nulens (2), David Offermann (2), Lorenzo Boterberg (1)

BG Baskets Hamburg: Mareike Miller (7), Vasily Kochetkov (11), Anne Patzwald (2), Alireza Ahmadi (6), Reo Fujimoto (18), Marcin Balcerowski (6), Yona Asael Shabo (8), Derek Hoot (0)

Stimmen zum Spiel:

Holger Glinicki, Trainerlegende des BG Baskets Hamburg: „Ich bin maßlos enttäuscht. Da fahren wir eine so weite Strecke von Hamburg nach Ostbelgien um so eine Leistung abzurufen! Natürlich zeigt das Ergebnis einen klaren Sieg für uns, aber hätte der Aufsteiger etwas mehr Wurfglück gehabt, hätte es für uns unter dem Strich eng werden können. Nach einer guten ersten Halbzeit, haben wir das Spiel in der zweiten Hälfte regelrecht aus der Hand gegeben. Das müssen wir analysieren und uns kommende Woche klar steigern, denn gegen den Tabellenzweiten aus Lahn-Dill können und dürfen wir uns nicht solche Blößen geben. Das einzig sportlich Positive sind die Punkte, die wir hier aus St.Vith mitnehmen können.“

Stefan Veithen, Headcoach der Roller Bulls Ostbelgien: „Wir haben heute einfach riesengroßen Mist gespielt und müssen uns an die eigene Nase fassen. Wir müssen uns einfach mehr den Hintern aufreißen, damit wir so etwas wie heute nicht wieder zulassen. Mit den zwei Punkten im zweiten Viertel hätten wir selbst in der dritten Liga keine Daseinsberechtigung. Trotz dieses sehr schlechten Auftritts in der ersten Halbzeit haben wir Moral bewiesen und auf Schadenbegrenzung gesetzt. Wir waren zwar nicht auf Augenhöhe mit Hamburg, konnten uns aber einen gewissen Respekt zurückerobern. Bemerkenswert und erschreckend zugleich ist sicherlich die Tatsache, dass fast alle unserer Scorer nicht trafen. Gründe hierfür sind für mich nicht zu finden, heute war einfach nur der Wurm drin. Gegen die Thuringia Bulls müssen wir jedenfalls etwas Anderes aufs Parkett bringen, da dieses Team in dieser Saison absolutes Weltniveau hat und seine Gegner jeweils mit ca. 30 Punkten Unterschied abspeist. Wir müssen halt dahin, doch reißen werden wir da mit Sicherheit nichts. Doch kampflos werden wir uns nicht ergeben, denn auch Verlieren will gelernt sein.“ (Quelle: grenzecho/gh)