Bulls visieren 1. Bundesliga an

Roller Bulls starten am 8. Oktober in der 2. Bundesliga Süd in die Rollstuhlbasket-Saison

 

Die vergangene Saison der Roller Bulls brachte nicht den gewünschten und von der Vereinsführung angestrebten direkten Wiederaufstieg ins Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs.  Am Ende mussten sich die Bulls den Rhine River Dinos aus Wiesbaden sportlich geschlagen geben.  In der Zwischensaison trieben einige Hiobsbotschaften die Sorgenfalten auf die Stirn der Verantwortlichen, so dass mit enormen Einsatz von Teammanager Edgard Boemer und dem Sportverantwortlichen Stefan Veithen ein neues Team und ein neues Konzept erarbeitet werden musste.  Pünktlich zum Sponsorenabend vor einigen Tagen präsentierten die Bulls das neue Team, das in dieser Konstellation sicherlich zu den haushohen Favoriten der starken 2. Bundesliga Süd zu rechnen ist.

Coach Michael Maréchal beendete sein Trainerengagement bei den Bulls, so dass fortan erneut Stefan Veithen die sportlich-taktischen Geschicke des Klubs übernehmen wird.

Personeller Aderlass

Auch Lorenzo Boterberg brach seine Zelte bei den Bulls ab und sucht fortan sein sportliches Glück in der französischen Liga, während Jungsporn Arthur Fievet aus beruflichen Gründen nur einen kleinen Teil der Saison aktiv spielen wird.  Ralph Huylebroek ist der dritte Abgänger, der kürzer treten möchte und in der belgischen Liga spielen wird. „Es ist schon schwierig für ein kleines Team wie das der Roller Bulls mit doch beschränkten finanziellen Möglichkeiten, drei Abgänge zu kompensieren.  Wir hatten großes Glück und konnten durch persönliche Kontakte einige tolle Neuverpflichtungen tätigen, die sportlich gesehen einiges versprechen lassen“, erklärte Coach Stefan Veithen. Im Vorfeld der Meisterschaft bereiteten jedoch konzeptionelle Schwierigkeiten bei der Planung der Rollstuhlbasketballbundesliga den Bulls große Sorgen. „Wir betreiben unseren Sport mit großem Aufwand und investieren sehr viel Zeit.  Ziel ist es, Rollstuhlbasketball auf möglichst hohem internationalem Niveau zu spielen, so dass die aufgrund des Rückzugs einiger Teams vollzogene „Abspeckung“ der Serie auf insgesamt sechs Teams für uns schier unannehmbar war“, erklärte Teammanager Edgard Boemer.  Somit habe man den Kompromiss der Ligakommission, die Saison um die Hälfte zu verlängern und dreifache Spiele in Kauf zu nehmen, durchaus begrüßt, wenngleich für die Zukunft im Sinne der Wahrung der Attraktivität des Rollstuhlbasketballs nach neuen Wegen Ausschau gehalten werden müsse.

 

Tolle Neuzugänge

Besonders stolz sind die Bulls auf die Verpflichtung des 44-jährigen Nazif Comor aus Brüssel. Der 4-Punkte-Spieler spielte nach seinen Anfängen bei St.Jan Brügge  auf international hohem Niveau und verdiente sich seine Sporen unter anderem in Paris, Méaux und Toulouse.  Comor ist ein Teamplayer, der mit seiner Übersicht und seiner taktischen Raffinesse für den Unterschied sorgen kann.  Im Schlepptau von Nazif Comor befindet sich der aktuelle Kapitän der belgischen Nationalmannschaft, der 41-Jährige Quoc Binh Pho aus Brüssel.  Der 2,5-Punkte-Spieler Pho spielt bereits seit über 20 Jahren aktiv Rollstuhlbasketball und spielte nach ersten Stationen in Overijsse, Brüssel und den Silverspokes Gent international erfolgreich bei Netanya in Israel und Cagliari in Italien.  Den Kontakt zu den Bulls hat er nie verloren, machte er doch in den Spielzeiten 1996/98 und 2001/2004 Teil der Mannschaft aus. „Es ist eine Rückkehr zu alten Wurzeln“, so der Tenor.  Ein wichtiger Rückkehrer dürfte wohl Pieter Dries sein, der nach Stationen im spanischen Getafe, Kaiserslautern und schließlich Herk de Stad nun in seine Heimat, den Bulls, zurückkehrt.  Pieter Dries sorgte bis 2012 bei den Bulls für Furore und erwies sich seinerzeit als Führungsspieler in der 1. Bundesliga.  „Seine Erfahrung und sein Einsatz sind für unsere Spielweise von besonderer Wichtigkeit“, bemerkte Stefan Veithen.

 

Teamstärke

Der Lütticher David Offermann komplettiert den Kader der Roller Bulls.  Vor allem sein sportlicher Werdegang ist beeindruckend und in Bezug auf den Basketball und die Treffsicherheit sicherlich für die Bulls hoffnungsweckend.  Offermann erwies sich als großes Talent und spielte nach Stationen in Fléron, Jupille, Avernas und Ninane zwischenzeitlich sogar im Oberhaus des belgischen Basketballs.  Ein Fahrradunfall am Mont Ventoux im Jahre 2010 beendete seine Karriere jäh, so dass er nach schweren Operationen mit künstlichem Kniegelenk auf das Handbike umsattelte, wo er 2015 Landesmeister wurde und verschiedene europäische Rennen fuhr.  Seit Januar 2014 trainiert David Offermann nun bei den Rollstuhlbasketballern und entdeckte seine Passion für den Korb neu. „Ich war schon als Fußgänger-Basketballer ein guter Distanzwerfer.  Aus dem Stuhl besteht da kein großer Unterschied, so dass ich glaube, das Team mit meiner Wurfstärke unterstützen zu können“. Natürlich halten die Bulls-Urgesteine und Publikumslieblinge wie Juan Bernal, Philippe Minten, Mounir Moujoud, Jamaa Saadi, Christophe Van Houcke und Bart Nulens dem Team die Treue.  „Wir haben eine exzellente Mischung, die uns auch in Bezug auf die Klassifizierung taktische Möglichkeiten und Freiräume bietet.  Ich bin zuversichtlich, dass wir eine mehr als erfolgreiche Meisterschaft spielen können“, so Stefan Veithen.  Dennoch wird der Aufstieg keineswegs zu einem Selbstläufer, konnte doch auch die Konkurrenz mitunter personell aufstocken.

 

Die Roller Bulls starten am Samstag, dem 8. Oktober um 19.30 Uhr mit dem Heimspiel im SFZ St.Vith gegen RBB München in die neue Saison. Diese Partie soll gleichsam der Beginn einer Erfolgsstory mit dem Höhepunkt „Aufstieg“ sein.  Der „6. Mann“, das treue Bulls-Publikum, wird mit Sicherheit lautstark für Rabatz sorgen.