Ostbelgien

Bulls ziehen Option 1. Bundesliga

Mit neuem Coach in die nächste Saison

Die Roller Bulls Ostbelgien haben am Wochenende das Angebot angenommen, auch in der kommenden Spielzeit in der ersten deutschen Bundesliga aufzuspielen.

Nach Abschluss der Meisterschaft stand der Abstieg der ostbelgischen Rollstuhlbasketballer eigentlich fest. Als Tabellenvorletzter hätte das Team von Stefan Veithen den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Kurz nach dem Saisonende in der 2. Bundesliga kristallisierte sich jedoch die Möglichkeit heraus, quasi am „Grünen Tisch“, auch in der kommenden Saison weiterhin im Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs zu spielen. Die Roller Bulls Ostbelgien prüften dieses Angebot und zogen am Wochenende diese Option. Aufgrund der Tatsache, dass kein zweites Team aus der 2. Bundesliga aufsteigen wollte oder konnte, wurden zunächst die Absteiger gefragt, allen voran die Roller Bulls Ostbelgien als Tabellenvorletzter.

„Wir haben uns die Entscheidung wahrlich nicht einfach gemacht und haben alle Parameter analysiert und abgewägt. Ich denke, dass die Entscheidung nachvollziehbar ist und unser Team sportlich auch nach vorne bringen kann“, so Teammanager Edgard Boemer. Einerseits sorgten strukturelle und finanzielle Aspekte für einen Ligaverbleib. „Die 2. Liga Süd ist wenig herausfordernd und mit insgesamt sechs Teams auch äußerst klein. So hätten wir vielleicht wieder eine „1 1/2-Variante“ austragen müssen, um auf genügend Spiele zu kommen. Wir brauchen halt Heimspiele, um unser Budget zu stemmen und den Sponsoren Anreize zu bieten. Außerdem sind die Ausfahrten in der 2. Bundesliga mit dem RSC Tirol, dem RSV Salzburg oder Tübingen sehr weit. Unsere Spieler sind größtenteils berufstätig, sodass diese Fahrten stets als eine große Belastung angesehen werden“, meinte Edgard Boemer.

Auch sportlich sprachen deutliche Argumente für einen Verbleib in der 1. Bundesliga. „Wir bekommen weiterhin die Gelegenheit, in der besten Liga Europas zu spielen. Natürlich sind wir die Underdogs und haben nicht die strukturellen und finanziellen Möglichkeiten wie die Großen der Serie, doch glaube ich, dass wir das Beste aus Belgien aufs Parkett bringen. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns mit diesem aktuellen Team weiterentwickeln können. Und diese Weiterentwicklung kommt nur zustande, wenn wir sportlich gefordert werden. Das kann nur in der 1. Bundesliga sein, denn in der 2. Bundesliga wären wir wieder ein ‘Überflieger’, der die meisten Gegner mühelos schlagen würde. So etwas schürt nur Selbstgefälligkeit, was in Sachen Ehrgeiz und Ansprüche im Sport eher kontraproduktiv ist“, erklärte Stefan Veithen. Natürlich müsse auch an gewissen Stellschrauben gedreht werden, da auch einiges schief gelaufen sei.

Hier denkt Stefan Veithen vor allem an die Verpflichtung eines externen Trainers. „Juan Bernal und auch ich sind einfach zu nah am Team und gelten als Kumpels. Das ist in Sachen eines gesunden Konkurrenzkampfes wenig dienlich. Das haben auch die Spieler erkannt und werden aus den gemachten Fehlern auch ihre Lehren ziehen. Ein externer, erfahrener Trainer wird mehr aus dem Team herausholen, da sich jeder Spieler einzeln empfehlen muss. Juan und ich haben festgestellt, dass taktische Entscheidungen mehrfach aus einer Diskussion mit Spielern entsprangen. Das ist nicht gut, denn der Coach am Spielfeldrand hat ganz andere Eindrücke. Ein neuer, externer Trainer muss alle Entscheidungen selbst treffen und sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen“, meinte Stefan Veithen. Die ersten Gespräche mit einem entsprechenden Kandidaten seien in der entscheidenden Phase, sodass der Name in Kürze ebenfalls bekannt gegeben werden könne. Was das Team anbelangt, so werden alle Spieler dem Klub erhalten bleiben, wenngleich Quoc Binh Pho für den Spielbetrieb nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Zur eigenen Zukunft gibt sich Stefan Veithen selbstbewusst: „Natürlich werde ich dem Trainer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Außerdem möchte ich dem Sport weiter verbunden bleiben und werde nach meinen Möglichkeiten trainieren und um Spielzeiten kämpfen. Also reihe ich mich auch in diesen Konkurrenzkampf ein“. In der kommenden Saison, die im September beginnen wird, treffen die Roller Bulls Ostbelgien auf die Teams von RSB Thuringia Bulls, vom RSV Lahn-Dill, BG Baskets Hamburg, Doneck Dolphins Trier, Hannover United, RBB Iguanas München, BSC Rollers Zwickau, Rhine River Rhinos Wiesbaden sowie Aufsteiger aus Baskets 96 Rahden.

„Die Entscheidung zwischen 1. und 2. Bundesliga war eine echte Gefühlsgratwanderung, doch glauben wir, sportlich und auch für den Verein die beste Lösung gefunden zu haben. Auch hoffen wir, dass unsere tollen Fans diese Entscheidung mittragen, denn eines ist gewiss: unsere Fans spielen absolut in der höchsten Liga, denn sie sorgen mitunter für die beste und schönste Kulisse in der gesamten 1. Bundesliga. Das wissen auch die Spitzenteams zu schätzen“, erklärte Edgard Boemer abschließend.