Ostbelgien

Eine deutliche Nummer zu groß!

Bulls unterliegen den Thuringia Bulls im DRL-Pokalviertelfinale 43:87

Am Samstagabend stieg das im Vorfeld von den Verantwortlichen der Roller Bulls Ostbelgien kräftig propagierte Pokalviertelfinale im deutschen Rollstuhlbasketball gegen den amtierenden Europameister RSB Thuringia Bulls. Die Ostbelgier blieben chancenlos.

Mit dem aktuellen Spitzenreiter der 1. Bundesliga hatten die Bulls nach dem erfolgreichen Qualifikationsturnier in Wiesbaden ein Traumlos gezogen, sodass die Fans, die trotz der widrigen Witterungsverhältnisse ins SFZ St.Vith gekommen waren, Rollstuhlbasketball der absoluten Weltklasse erlebten. „Das war schon eine Klasse für sich“, beschrieb ein treuer Bulls-Fan die Partie.

Gleich von Beginn an wurde deutlich, dass der deutsche Meister und Pokalsieger des Jahres 2016 voll konzentriert gegen den Underdog aus St.Vith agieren wollte. Für die Roller Bulls Ostbelgien war das Pokalhighlight das i-Tüpfelchen einer rundum gelungenen Hinrunde.  Mit einem in dieser Art in St.Vith noch nie gesehenen Pressing setzten die Gäste deutliche Akzente und lagen nach Treffern von Mattew David Scott schnell mit 7:2 in Führung. Die St.Vither zeigten sich zwar bemüht, aber die hohe und aggressiv-faire Verteidigung der Gäste machte ein Durchkommen nahezu unmöglich. Lediglich Nazif Comor, Philippe Minten, Bart Nulens und David Offermann gelangen Treffer. Nach dem ersten Viertel lagen die Thuringia Bulls bereits deutlich mit 27:14 in Führung.

Auch im zweiten Spielviertel hielten die Gäste aus Thüringen das Tempo hoch und verlangten den ostbelgischen Bullen alles ab. Hier war es vor allem der Weißrusse Aliaksandr Halouski, der der Heimmannschaft in der Offensive Kopfzerbrechen bereitete und so manchen Treffer zum Führungsausbau beisteuerte. Die Roller Bulls waren in dieser Phase nur auf Schadensbegrenzung aus, blieben ihrer Spiellinie aber treu. Die Thuringia Bulls schraubten ihre Führung zur Pause auf 46:22 hoch.

Trotz dieser Überlegenheit war es verwunderlich, mit wie viel Spielfreude die Gäste auch nach der Pause agierten. Headcoach Michael Engel, der sein Team fest im Griff hat und die Bundesligasaison im Oberhaus eindrucksvoll beherrscht, nutzte die Gelegenheit zur Rotation. Hier wurde deutlich, dass selbst der „zweite Anzug“ Weltklasseniveau besitzt. Mit 25:12 ging auch das dritte Viertel klar und deutlich an die Gäste aus Eixleben. Beim Stande von 71:34 bogen beide Teams schließlich auf die Zielgerade ein, sodass Bulls-Coach Stefan Veithen als Ziel ausgab, eine dreistellige Niederlage möglichst zu vermeiden. Am Ende schafften die Gastgeber ihr Teilziel souverän, unterlag man doch den „Galaktischen“ mit 43:87 und verzeichnete einen eigenen Achtungserfolg, der für die zweite Saisonhälfte Hoffnung schüren sollte. Die treuen Roller-Bulls-Fans jedoch erlebten einen erstklassigen Basketballabend, der die Faszination des Rollstuhlbasketballs ein weiteres Mal perfekt unterstrich. Die Profis der Thuringia Bulls, die während der Woche rund 40 Stunden an Trainingseinheiten absolvieren, freuten sich ebenfalls über den Auswärtserfolg, berechtigt dieser doch zur Teilnahme an den „Final Four“ des deutschen Rollstuhlbasketball-Pokals. Für die Roller Bulls Ostbelgien war das Pokalhighlight das i-Tüpfelchen einer rundum gelungenen Hinrunde, sodass sich das Team von Stefan Veithen in die wohl verdiente Winterpause stürzen kann.

Das kommende Heimspiel gegen die Lux Roller Luxemburg findet am Sonntag, dem 21. Januar, um 14 Uhr statt. Dieses Derby ist auch gleichsam der traditionelle „Familientag“ mit zahlreichen Überraschungen für Groß und Klein.

Es spielten und trafen für die Roller Bulls Ostbelgien: Nazif Comor (16), Philippe Minten (2), Quoc Binh Pho (2), Mounir Moujoud (2), Stefan Veithen (0), Bart Nulens (9), David Offermann (8), Terence Edja Wato (4), Robby Hulsmans (0)

STIMMEN ZUM SPIEL

Michael Engel, Headcoach des Erfolgsteams der Thuringia Bulls

„Es war heute Abend ein sehr unterhaltsames Spiel. Vor allem die schöne Atmosphäre hier in der Halle und den netten Kontakt mit den Roller Bulls haben wir genossen. Die Heimmannschaft hat sich sehr teuer verkauft. Wir empfanden die Aufgabe, gegen einen Zweitligisten zu spielen, keineswegs als einfache Aufgabe. Es ist wichtig, jeden Gegner ernst zu nehmen und stets seine eigene Leistung abzurufen. Selbstläufer gibt es im Sport nicht. Die Roller Bulls sind auch Erster der 2. Bundesliga, sodass das Potenzial, Große zu ärgern, durchaus vorhanden ist. Es hat eine Menge Spaß gemacht, hier zu spielen und wir würden uns freuen, wenn die Bulls den Aufstieg schaffen, damit wir noch öfter hier nach Belgien kommen können.“

Stefan Veithen, Coach der Roller Bulls Ostbelgien

„Ich bin mit der Leistung und der Einstellung meines Teams mehr als zufrieden. Wenn man bedenkt, dass selbst manche Topteams der 1.Bundesliga mit 30 bis 40 Punkten Unterschied gegen die Thuringia Bulls verlieren, haben wir uns heute beachtlich aus der Affäre gezogen, gut gewehrt und toll gekämpft. Wir haben erneut vieles durchgespielt, und jeder von uns hat seine Arbeit gemacht. Thuringia ist halt ein völlig anderes Niveau, das von Tempo und Variationsreichtum nur so strotzt. Da kommen wir nicht mit. Das Team ist derzeit im deutschen Rollstuhlbasketball eine andere Welt. Das muss man neidlos anerkennen. Ich bin stolz auf meine Mannen und wünsche allen besinnliche Feiertage und ein Wiedersehen am 21. Januar beim Familientag.“