Ostbelgien

Eine Frage der Ehre in Zwickau

BSC Rollers Zwickau vs Roller Bulls Ostbelgien (So., 14 Uhr)

Die Playdowns neigen sich dem Ende. Für die Roller Bulls Ostbelgien, die wohl oder übel den vorletzten Tabellenplatz am Ende der Saison einnehmen werden, stehen noch zwei Spiele in Zwickau und vor heimischer Kulisse gegen Köln an.  Für das Veithen-Team somit eine Frage der Ehre.
 
In den Playdowns gegen Zwickau unterlag das ostbelgische Team mit 48:66.  Eine schmerzliche Erfahrung, denn an diesem besagten Spieltag klappte bei den Roller Bulls recht wenig. 
 
Auf der Suche nach Treffsicherheit
 
Aus diesem Grund sinnen die Bulls-Akteure am heutigen Samstag auf eine Revanche, wenngleich es tabellarisch kaum Einflüsse haben wird.  Demnach können beide Mannschaften befreit aufspielen und den Zuschauern packende Rollstuhlbasketball-Spannung aufs Parkett zaubern.  Hierbei hofft Coach Stefan Veithen vor allem darauf, dass der „Knoten bei der Chancenverwertung“ endlich platzt.  „Wir treffen halt zu wenig.  Wir bringen uns durch anspruchsvolles Aufbauspiel stets in aussichtsreiche Positionen, doch am Ende findet der Ball nicht den Weg durch die Reuse.  40 Punkte in einem Spiel sind einfach zu wenig, um in der 1. RBBL bestehen zu können.  Nichtsdestotrotz haben wir einige Spieler, die für den Unterschied sorgen können, in der laufenden Meisterschaft aber vom Wurfpech, wenn man das so bezeichnen kann, verfolgt sind.  Ohne Druck hinsichtlich der Tabelle kann es demnach zu einer Befreiung kommen, denn im Basketball spielt sich Vieles im Kopf ab“.
 
Kampf um den „Zitronentitel“
 
Im Parallelspiel empfängt die Rote Laterne der Köln99ers den aktuell Führenden in der Playdown-Liste, die Rheine River Rhinos aus Wiesbaden.  Sollten die Wiesbadener dieses Auswärtsspiel in der Domstadt gewinnen, wäre ihnen der erste Platz in der nichts aussagenden Playdown-Tabelle gewiss.  „Wir möchten nach einer doch recht verkorksten Saison positiv abschließen und diesen „Zitronentitel“ einfahren.  Zwei Siege gegen Köln und Zwickau würden dem Selbstbewusstsein meines Teams sicherlich nicht schaden“, erklärte Rhinos-Coach Sven Eckhardt.  Die Abstiegsfrage scheint demnach mit den Roller Bulls Ostbelgien und den Köln99ers geklärt.  Dennoch gibt es eine Chance für die Bulls, die Erstklassigkeit zu bewahren. Nach dem Aufstieg der Baskets 96 Rahden in der 2. RBBL Nord, wird die Spielgemeinschaft RSV Lahn-Dill-Skywheelers als Meister der Süd-Liga nicht den Sprung in die Beletage des deutschen Rollstuhlbasketballs antreten. 
 
Klassenerhalt am „Grünen Tisch“?
 
Nach diversen Verbandsgesprächen erhielten die Roller Bulls Ostbelgien nun die Möglichkeit, als Tabellenvorletzter der 1. RBBL selber über den möglichen Klassenerhalt zu entscheiden.  „Wir müssen die Sache ganz genau analysieren und werden zusammen mit den Spielern, dem Trainer und auch dem Vorstand, der ja für die Finanzierung verantwortlich zeichnet, zeitnah eine Entscheidung treffen.  Auch müssen wir schauen, ob uns der Kader auch im kommenden Jahr ähnlich breit aufgestellt zur Verfügung steht, oder ob wir sogar die eine oder andere Neuverpflichtung tätigen können.  Das alles ist aber absolute Zukunftsmusik, so dass eine Entscheidung erst in einigen Wochen getroffen werden wird“, so der Tenor der Vereinsverantwortlichen der Roller Bulls Ostbelgien.  Natürlich ist es aus sportlicher Sicht eine Ehre, in der wohl besten Liga Europas als rein belgisches Team mitzuspielen, doch müsse auch die sportliche Entwicklung nicht aus den Augen gelassen werden. 
 
Kluft zwischen Profis und Amateuren
 
Ein Dilemma, das die Roller Bulls Ostbelgien um Coach Stefan Veithen bereits seit Jahren beschäftigt. „In der 1. RBBL ist die Kluft zwischen Profiteams und Amateuren in den vergangenen Jahren enorm groß geworden. Die meisten Teams trainieren bis zu vier oder fünf Mal die Woche, haben Taktikschulung und gemeinsame Regenerationsphasen.  Die meisten Roller Bulls sind hingegen Feierabendsportler, die oftmals nach einem harten Arbeitstag zwei Mal wöchentlich nach Charleroi fahren um dort zu trainieren. Bereits die oftmals lange Anfahrt zu den Trainingseinheiten ist für Rollstuhlfahrer kontraproduktiv.  In der 2. RBBL hingegen waren wir in den vergangenen Jahren oftmals ein „Überflieger“, der durch die individuelle Klasse zu überzeugen wusste.  Ich erachte dies als großes Dilemma, denn für die 1. RBBL fehlen uns einfach die sportlichen Trainings- und Vorbereitungsstrukturen, während wir für die 2. Liga oftmals zu stark sind.  Jetzt gilt es intern abzuwägen, welcher Weg für uns der beste sein wird“.
Auf jeden Fall kämpfen die Roller Bulls Ostbelgien in Zwickau um den Sieg, während dann am kommenden Samstagabend um 19.30 Uhr im SFZ St.Vith das letzte große Saisonspiel gegen den Tabellennachbarn aus Köln steigen wird. (Quelle: grenzecho/gh)