„Es wird jedes Mal ein hartes Stück Arbeit!“

55:50-Aufstaktsieg der Roller Bulls gegen Iguanas München

Die Roller Bulls haben nach dem knapp verpassten Meistertitel im vergangenen Jahr erneut den Aufstieg ins Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs als angestrebtes Ziel definiert.  Trotz der Abgänge wichtiger Spieler wie Lorenzo Boterberg gelang es dem Team um Coach Stefan Veithen und Manager Edgard Boemer eine exzellente Mannschaft zusammenzustellen, die durch Homogenität und vor allem Erfahrung besticht.  Neuer zentraler Spieler ist Nazif Comor, der bereits im Auftaktspiel gegen die Iguanas aus München auf der ganzen Linie überzeugte.

Die Bulls gingen mit ihrer Starting-Five Nazif Comor, Philippe Minten, Christophe Van Houcke, Bart Nulens und Pieter Dries in die Partie. 

Nervöser Beginn

Die Iguanas aus München zählen aufgrund ihrer gezielten personellen Verstärkungen ebenfalls zum engsten Favoritenkreis, so dass Stefan Veithen im Vorfeld von einem sportlichen Gradmesser redete.  Das erste Viertel verlief anfänglich eher zäh und zerfahren, wobei die Nervosität in beiden Lagern spürbar wurde.  Körbe von Gabriel Roble und Uli Schmölz wussten Nazif Conor und Pieter Dries jedesmal auszugleichen.  Doch gelang es den Bulls in dieser Phase nicht, dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken.  Vor allem die extreme Passungenauigkeit sorgte für einen gestörten Spielfluss bei den Gastgebern.  Zwei Minuten vor dem Ende des Auftaktviertels gelang Benjamin Ryklin der 10:10-Ausgleich, doch die Bulls zeigten trotzdem Moral und setzten durch Christophe Van Hocke und Bart Nulens geschickt nach, so dass die St.Vither nach den ersten zehn Minuten knapp mit 13:12 führten. 

Zehn starke Bulls-Minuten

Die Verunsicherung in den Reihen der Gastgeber setzte sich auch im zweiten Viertel fort, so dass die Münchener durch Uli Schmölz mit 15:13 in Führung gehen konnten.  Dieser Rückstand wurde zu einem Weckruf für die Bulls, so dass Christophe Van Houcke zusammen mit Bart Nulens innerhalb von nur einer Minute für ein kleines 19:15-Break sorgten.  Nun agierten die Bulls ballsicher, während die Leguane einige Fehlpässe verbuchten.  Van Houcke, Jamaa Saadi und Nazif Comor schraubten das Ergebnis zwischenzeitlich auf 31:19 hoch.  München hatte in dieser kurzen Phase nichts dagegenzusetzen und selbst eine Auszeit des an der Linie stark engagiert auftretenden Coachs Andreas Ebertz brachte zunächst keine sportliche Wende.  So gingen die Bulls mit einem beruhigenden 33:21-Vorsprung in die Pause. 

20-Punkte-Vorsprung

Nach dem Pausentee schienen die Bulls nahtlos an das Spiel des zweiten Viertels anzuknüpfen und spielten München praktisch schwindelig.  Vor allem Bart Nulens und Nazif Comor erwiesen sich als konzentriert, ruhig und treffsicher, so dass die St.Vither in der 26. Minute klar mit 45:25 führten, während München rein gar nichts mehr ans Brett bekam.  Unverständlicherweise ließen die Mannen von Stefan Veithen am Ende des dritten Spielabschnittes die Zügel wieder aus den Händen gleiten, so dass die kampfstarken Münchener plötzlich wieder Morgenluft witterten und trafen.  Hinzu kamen einige strittige Schiedsrichterentscheidungen, die die Bulls regelrecht aus der Bahn warfen.  Benjamin Ryklin und Florian Mach trugen sich in dieser Phase in die Trefferliste ein und verkürzten vor dem Schlussviertel auf 47:38.  Randy Ruhe legte im Schlussviertel sofort nach und verkürzte auf 47:40, während die Bulls durch Mounir einen weiteren Fehlwurf landeten. 

Durchs Nadelöhr

So erwiesen sich zwei Tempogegenstöße von Nazif Comor und Bart Nulens in der 35. Minute mit Treffern zum 51:42 als beruhigendes Moment in einer Phase der absoluten Hektik und Zerfahrenheit.  München ließ dennoch nicht locker und überzeugte durch eine sehr aggressive und hohe Defensive, die den Bulls taktisch sichtlich Schwierigkeiten bereitete.  Drei Minuten vor dem Spielende verkürzte Josef Weinberger auf 53:50, so dass die rund 300 Zuschauer im Sport- und Freizeitzentrum tief durchatmen mussten und mit ihren Bullen mitfieberten.  „Die Stimmung in diesen Schlussminuten war phänomenal - wir fühlten uns plötzlich wieder getragen und spürten wahrlich den sechsten Mann im Rücken“, so die Einschätzung von Juan Bernal nach dem Spiel.  Zwei Minuten vor dem Spielende gelang Bart Nulens nach einem Versuch von Jamaa Saadi der Rebound zum 55:50.  München reagierte mit Pressing, doch der Fehlwurf von Gabriel Robl besiegelte schlussendlich die Niederlage für die Bayern.  München hat jedenfalls bravourös gefightet und die Bulls vor allem durch unbändige Kampfmoral und gesunde sportliche Aggressivität in der zweiten Halbzeit mit einer Korbausbeute von 29:22 an den Rand einer Niederlage gebracht.

Nach dem Abpfiff des nicht besonders souverän wirkenden Schiedsrichter-Trios Hans-Dieter Jungmann, Jürgen Bäume und Uwe Bourchardt hörte man richtig ein erlösendes Aufatmen von den Zuschauerrängen.  Somit war die Auftaktpartie in die neue Bundesligasaison erneut eine perfekte Samstagabend-Unterhaltung mit Krimi, Spannung und einem Happy-End für die Roller Bulls, die am kommenden Samstag gegen Frankfurt sicherlich eine Schippe drauflegen müssen.

Die Zwischenstände

Erstes Viertel:   13:12

Zweites Viertel: 20:9

Drittes Viertel:  14:17

Viertes Viertel: 8:12

Endstand         55:50

Es spielten und trafen für die Roller Bulls: Nazif Comor (18), Philippe Minten (0), Christophe Van Houcke (9), Bart Nulens (16), Pieter Dries (4), Mounir Moujoud (0), Juan Bernal (2), Jamaa Saadi (6), Stefan Veithen, David Offermann, Quoc Binh Pho, Arthur Fievet

Für den RBB Iguanas München: Gabriel Robl (5), Florian Mach (14), Uli Schmölz (9), Thomas Palaver (0), Joseph Weinberger (8), Randy Uhl (2), Benjamin Ryklin (12), Laura Fürst (0), Johanna Welin, Katharina Lang.

 

Stimmen zum Spiel:

Andreas Ebertz, Coach der Iguanas München: „Am Schluss war die Niederlage etwas unglücklich, vor allem da wir während ca. 30 Minuten ein klasse Spiel ablieferten und die Roller Bulls sichtlich in Bedrängnis brachten.  Die Bulls haben unter dem Strich verdient gewonnen, da wir in der ersten Hälfte einfach zu viele Fehler gemacht und zu viele Punkte liegen gelassen haben.  Die Bulls waren somit die clevere Mannschaft.  Ende des 2. und Anfang des 3. Viertels hatten wir sieben grottenschlecht Minuten, die die erfahrenen Spieler wie Comor und Nulens konsequent und kaltschnäuzig zugunsten der Bulls ausnutzten. Danach sind wir ständig diesem Rückstand hinterhergerannt. Wenn man halt einen Comor nicht vom eigenen Korb fern halten kann, wird es für jedes Team schwierig. Wir freuen uns aber auf jeden Fall auf das Pokalspiel in München, da sehen wir uns dann das nächste Mal, dann hoffentlich mit einem besseren Ausgang für uns.“

Stefan Veithen, Coach der Roller Bulls: „Ja, heute gibt es nicht viel zu sagen.  Wir sind zunächst sehr schwer ins Spiel reingekommen, hatten dann eine exzellente zehnminütige Phase und ließen uns dann das Spiel erneut aus der Hand nehmen. Auch taten uns heute einige Schiedsrichterentscheidungen besonders weh, so dass wir aus dem Konzept gerieten.  In dieser Phase des Spiel hätte ich mir etwas mehr Cleverness, Ruhe und Abgeklärtheit von meinem Team gewünscht. Die Saison ist noch jung und wir müssen noch an vielen Stellschrauben drehen, bevor die Mannschaft zur vollsten Zufriedenheit aller rund läuft.   Ich denke da an das Zusammenspiel und auch die Wurfsicherheit.  München ist aber auch der erwartet schwere Gegner gewesen, der mit Sicherheit in den oberen Gefilden der Tabelle mitmischen wird.  München verteidigt hoch, hat eine gute Offensive und sehr große Spieler.  Mit dem aggressiven Touch sind sie ein Äquivalent unseres Teams.  Aber auch die anderen Mannschaften der Serie sind kein Pappenstiel, so dass wir uns von Woche zu Woche neu motivieren und konzentrieren müssen.“