"Ich bin stolz auf das Team!"

Roller Bulls 75 - Mainhattan Skywheelers 68

Das Trainerduo Juan Bernal und Stefan Veithen versprach im Vorfeld des Heimspiels gegen die Mainhattan Skywheelers ein Saisonfinale, das an Spannung und Brisanz wohl kaum zu übertreffen sei.  So sorgte das am Samstagnachmittag ausgetragene Spiel der Köln99ers bei den Goldmann Dolphins aus Trier bei den Bulls natürlich für Hellhörigkeit, hätte ein Sieg der Domstädter das Ziel des Klassenerhaltes erneut in weite, wenn nicht sogar unerreichbare Ferne rücken lassen.

 

„Natürlich waren wir immer über die KeyScout-Plattform über die Zwischenergebnisse in Trier informiert, die wahrlich nichts Gutes verhießen“, so Edgard Boemer von den Roller Bulls. 

 

Köln unterlag im Fernduell knapp

 

Die Kölner erwischten in Trier einen Traumstart und lagen nach dem ersten Viertel bereits mit 22:10 in Führung.  Bis zur Pause konnte der Abstand größtenteils gehalten werden, so dass beide Teams beim Stand von 41:34 für Köln in die Pause gingen.  Nach einem ausgeglichenen dritten Spielviertel, begannen die Kölner das Finale mit einem 7-Punkte-Vorsprung. Eine Minute vor dem Abpfiff lagen die Gäste in Trier noch aussichtsreich mit 63:59 in Führung, bevor das Passiwan-Team gnadenlos zuschlug und im Fotofinish doch noch einen 66:63-Heimerfolg landen konnte.

 

Zerfahrener Auftakt

 

Den Kopf noch einmal aus Schlinge gezogen, versuchten schließlich die Bulls gegen Frankfurt eine ähnlich starke Leistung wie in den Vorwochen zu präsentieren.  Doch einem ersten Treffer von Mounir Moujoud nach nur 13 Sekunden folgte eine lange Phase der völligen Verunsicherung und Nervosität, die vor allem den Frankfurtern in die Hände spielte.  Gäste-Wurf-Hüne Sebastian Spitznagel, Sven Diederich und Lars Lehmann trugen sich in der Folgezeit in die Scorerliste ein und sorgten nach neun Spielminuten für eine satte 19:5-Führung.  Die Bulls reagierten lediglich in den Schlusssekunden indem ihnen durch Jamaa Saadi, Mounir Moujoud und Lorenzo Boterberg eine kleine Ergebniskosmetik zum 11:21 gelang. In diesen ersten zehn Minuten zeigten sich alle Bulls total von der Rolle; weder in der Defensive noch in der Verwertung von Großchancen unter dem gegnerischen Korb lief es für die St.Vither Rollstuhlbasketballer rund.  Die Vorstellung der Bulls in diesem ersten Viertel kann als enttäuschend bezeichnet werden, da sie von Hektik und Nervosität geprägt war und sich neben dem fehlenden Spielwitz vor allem durch eine katastrophale Trefferquote auszeichnete. 

 

Über Kampf zum Spiel gefunden

 

Lorenzo Boterberg versuchte gleich zu Beginn des zweiten Viertels mit einem Treffer ein Zeichen zu setzen, doch Frankfurts Sebastian Spitznagel fand mit einem Dreier sofort die passende Antwort.  Nichtsdestotrotz wirkte das Bulls-Spiel fortan geordneter und vor allem durchschlagskräftiger, so dass Jamaa Saadi und Arthur Fievet nach zwei Minuten auf 19:24 verkürzten.  Frankfurts Coach Malik Zahary reagierte sofort und versuchte sein Team taktisch mittels Auszeit auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Dennoch blieben die Bulls am Drücker und im Abschluss plötzlich kaltschnäuziger.  Nach weiteren Treffern durch Lorenzo Boterberg und Mounir Moujoud gelang es Arthur Fievet in der 14. Minute, die Gastgeber mit 25:24 erstmals in Führung zu bringen.  Es folgte ein offener Schlagabtausch bei dem sich keines der beiden Teams etwas schenkte.  Das hohe Tempo aber auch die gesunde Aggressivität bescherte den Zuschauern Rollstuhlbasketball der Spitzenklasse. 

 

Offener Schlagabtausch

 

Dass die Nerven auch bei den Gästen aus Frankfurt blank lagen verdeutlichte zwei Minuten vor der Halbzeitpause ein technisches Foul von Lars Lehmann an Lorenzo Boterberg, das Freiwürfe nach sich zog, die Arthur Fievet traumwandlerisch sicher zum 34:32 nutzte.  Trotz dieser tollen Aufholjagd retteten die Gäste einen hauchdünnen 38:36-Vorsprung in die Pause. Nach dem Seitenwechsel überraschten die Bulls mit einem neuen Setup, dem neben den Gesetzten Lorenzo Boterberg und Mounir Moujoud Jamaa Saadi, Arthur Fievet und Stefan Veithen angehörten.  Vor allem der als Coach sonst nur selten spielende Stefan Veithen zeigte sich kämpferisch von seiner besten Seite und wusste mitunter Sebastian Spitzenagel den Spielzahn zu ziehen.  Plötzlich schlichen sich bei Spitznagel Leichtsinnsfehler ein, die die Bulls zu schnellen Tempogegenstößen nutzten.  Dennoch blieb es weitgehend ein Spiel auf Augenhöhe in dem sich keines der beiden Teams entsprechend absetzen konnte.  Mit einem erfolgreichen Mitteldistanzwurf gelang Jamaa Saadi in den Schlusssekunden des dritten Viertels dennoch die 56:55-Führung.  Die Weichen für einen Erfolg waren demnach nach dem verkorksten Auftaktviertel wieder gestellt, so dass die Fans auf weitere Punkte ihrer Mannschaft im Kampf um den Abstieg hofften.

 

Mit Bulls-Führung ins Finale

 

Zur Hälfte des Schlussviertels zeichnete sich ein kleiner Leistungsabfall bei den Bulls ab, den die Gäste aus Frankfurt durch Spitznagel und Hengst drei Minuten vor dem Spielende kaltschnäuzig zur 68:64-Führung nutzten.  Lorenzo Boterberg und Juan Bernal übernahmen sofort Verantwortung und netzten den Ball in der 38. Minute zum 68:68-Ausgleich ein.  Frankfurt zeigte sich von diesem erneuten Aufbäumen offensichtlich beeindruckt und verbuchte einige Fehlwürfe durch Spitznagel und Johannes Hengst, während auf der Gegenseite Youngster Arthur Fievet Nervenstärke bewies und Freiwürfe sicher zum 75:68-Führungsausbau verwandelte.  Sebastian Spitznagel versuchte durch einen Dreier doch noch die drohende Niederlage abzuwehren, doch der Ball sprang vom Ring in die Arme von Juan Bernal, der die Kugel nicht mehr abgab.  Ein toller Arbeitssieg der Roller Bulls, der sicherlich moralisch weiteren Aufschwung geben wird.  Nach der Karnevalspause treffen die Roller Bulls am 21. Februar auf den Abonnementsmeister RSV Lahn-Dill, bevor am 1. März der absolute Abstiegskrimi gegen die Köln99ers im SFZ stattfinden wird.  „Nach diesem Kraftakt bin ich stolz über mein Team!“, erklärte Stefan Veithen nach dem Erfolg gegen Frankfurt anerkennend.  Ein Sieg gegen Köln und die Roller Bulls spielen auch in der kommenden Saison im Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs.

 

Die Zwischenstände:

 

1. Viertel:         11:21

2. Viertel:         25:17 (36:38)

3. Viertel:         20:17 (56:55)

4. Viertel:         19:13 (75:68)

Endstand:        75:68

 

Es spielten und trafen:

 

Roller Bulls: Mounir Moujoud (8), Philippe Minten (2), Stefan Veithen (2), Juan Bernal (4), Arthur Fievet (19), Jamaa Saadi (12), Ralph Huylebroek (0), Lorenzo Boterberg (28)

 

Mainhattan Skywheelers: Johannes Hengst (11), Lars Lehmann (9), Sebastian Spitznagel (22), Maria Kühn (0), Andreas Kreß (14), Anna-Maria Müller (2), Anne Brießmann (6), Sven Diederich (4)

 

 

Malik Zahary, Coach der Mainhattan Skywheelers: Es war heute für mich sehr schwierig zu coachen, da mir drei wichtige Spieler nicht zur Verfügung standen.  Das Spiel war sehr zerfahren.  Die Roller Bulls haben meiner Meinung nach gut gespielt, sie haben mit Herz gespielt, was heute in dieser prekären Situation sicherlich entscheidend war.  St.Vith wollte den Sieg offensichtlich mehr als wir dafür meine Gratulation an die belgischen Kollegen. Natürlich bin ich bezüglich der Leistung meines Teams enttäuscht, aber das ist halt der Sport.  Es gibt stets einen Gewinner und einen Verlierer; meistens ist derjenige der Sieger, der auch entsprechend viel investiert.  Das waren heute eindeutig die Bulls - das bessere Team hat gewonnen.  Natürlich haben wir in verschiedenen Phasen des Spiels zu eigensinnig gespielt; Teamsport ist halt eine Einstellungssache.  Man kann die Gründe im individuellen Bereich suchen, man kann aber auch sagen, dass man als Team auftreten muss.  Gerade in der zweiten Halbzeit haben wir uns zu sehr mit Nebenschauplätzen, Diskussionen mit den Schiedsrichtern und Fehlern von Mitspielern beschäftigt, so dass das wesentliche Spiel auf der Strecke blieb. Unter diesen Vorgaben ist es sehr schwierig, erfolgreich zu sein.  Hinsichtlich der Chancen der Bulls auf den Klassenerhalt kann ich nur sagen, dass die Roller Bulls mit dem heute gezeigten Herzblut sicherlich in die erste Liga gehören.  Auch der Abstiegskampf ist eine Einstellungssache, aber die heute gezeigte Momentaufnahme kann die Verantwortlichen hier vor Ort durchaus optimistisch stimmen.

 

Stefan Veithen, überglücklicher Bulls-Coach: Das war heute wieder eine wirklich spannende Sache. Nach einem grottenschlechten Auftaktviertel mit großer Nervosität und einer hohen Fehlerquote fanden wir über Kampf und Engagement ins Spiel zurück.  Ja, man kann schon fast sagen, dass wir Angst vor der eigenen Courage hatten.  Freie Leute wurden übersehen, riskante Würfe gemacht und im Spielaufbau überhastet reagiert.  Viel mehr konnte im Auftaktviertel nicht schief laufen. Das zweite Viertel war meiner Meinung nach unser bestes.  Wir haben uns auf dem Platz sichtlich amüsiert und konnten aufgrund der mannschaftlichen Geschlossenheit herankommen.  Am Ende gelang es den Gästen jedoch, sich etwas besser auf unser verändertes Spiel einzustellen.  Das dritte Viertel war völlig ausgeglichen, so dass der Sieg zur Nervensache wurde.  Hier glaube ich, dass die rund 400 Zuschauer wesentlich zu unserem Erfolg beigetragen haben.  Wir wurden regelrecht von den Anfeuerungsrufen beflügelt, während sich bei Frankfurt zusehends Nervosität breit machte.  Wir hatten unsere Defense umgestellt und machten dadurch die Wege für die beiden wurfstarken Frankfurter besonders eng.  Der absolute Knackpunkt kam jedoch drei Minuten vor Spielende als Arthur und Juan ins Spiel kamen und prompt nach Belieben trafen.  Auch in der Defensive wirkten wir hart und aggressiv, was den Frankfurtern heute offensichtlich den Zahn zog.  Am Ende entschieden gerade diese Kleinigkeiten über Erfolg oder Misserfolg.  Der Sieg bringt uns im Grunde genommen hinsichtlich des Abstiegskampfes nichts; wir haben Köln in der Tabelle zwar überflügelt, aber aufgrund des direkten Vergleichs würden wir im Falle einer Heimniederlage am 1. März absteigen.  Lediglich konnten wir Druck auf Köln aufbauen, da wir jetzt vier Punkte Vorsprung haben.  Köln wird aber sicherlich gegen Jena siegen, so dass alles für ein absolutes Endspiel gerichtet ist. Auch die Tatsache, dass Köln ausgerechnet gegen Frankfurt Prügel bezogen und gegen Trier verloren hat, könnte ein psychisches Plus für uns bedeuten.  Nichtsdestotrotz sehe ich unsere Mannschaft keineswegs in der Favoritenrolle, da Köln über die deutlich größere Bank mit zahlreichen international erfahrenen Spielern verfügt. Aber jedes Spiel muss zunächst mal gespielt werden am Ende sehen wir dann, was wir erreicht haben.

 

 

Die Spiele vom Wochenende:

 

Goldmann Dolphins Trier             -           Köln99ers                               66:63

Rolling Devils Kaiserslautern        -           RSC Rollis Zwickau                  62:73

Jena Caputs                               -           RSV Lahn-Dill                          25:82

Roller Bulls                                 -           Mainhattan Skywheelers          75:68

Oettinger RSB Team                    -           BG Baskets Hamburg               75:68

 

 

(Quelle: GrenzEcho, Gerd Hennen)

 

Die Tabelle nach dem 16. Spieltag

 

 

1

RSV Lahn-Dill

28:4 

16 

14 

1192:706 

486 

2

OETTINGER RSB Thüringen

26:4 

15 

13 

1137:754 

383 

3

BSC Rollers Zwickau

24:8 

16 

12 

1085:874 

211 

4

BG Baskets Hamburg

20:10 

15 

10 

1042:863 

179 

5

GOLDMANN Dolphins Trier

20:12 

16 

10 

1063:964 

99 

6

Rolling Devils Kaiserslautern

12:20 

16 

10 

941:1032 

-91 

7

Mainhatten Skywheelers

12:20 

16 

10 

876:1043 

-167 

8

Roller Bulls St. Vith

10:22 

16 

11 

930:1182 

-252 

9

Köln 99ers (RBBL)

6:26 

16 

13 

845:1065 

-220 

10

Jena Caputs

0:32 

16 

16 

593:1221 

-628