Ostbelgien

Neuer Teambus dank CAP48

Als Botschafter Ostbelgiens unterwegs

Die Roller Bulls Ostbelgien gehören zweifelsohne zu den sportlichen Aushängeschildern Belgiens.  Da die Spieler aus allen Winkeln Belgiens stammen, werden Trainingseinheiten und auch Fahrten zu den Spielen zu wahren logistischen Herausforderungen.  Vor Jahren entschlossen sich die Verantwortlichen zum Ankauf eines Kleintransporters, so dass das „rote Bullsmobil“ überall auf den Autobahnen Belgiens und Deutschlands zu sehen ist. 
 
Das „Mannschaftsbüschen“ ist allerdings in die Jahre gekommen, so dass der Wunsch nach einem neuen fahrbaren Untersatz laut wurde.
 
Ausgepowerter Bulls-Bus
 
Erneut konnten die ostbelgischen Rollstuhlbasketballer auf die Unterstützung der RTBF-Hilfsorganisation „CAP48“ zurückgreifen, die das Projekt des neuen Transporters großzügig mit 25000 € unterstützte.  CAP48 wurde 1957 als Telefonspendenaktion vom Radiomoderator Jean-Claude Mennessiers ins Leben gerufen und kennt auch nach über 60 Jahren einen ungebremsten Erfolg. Die gesammelten Gelder werden Einrichtungen für Menschen mit einer Beeinträchtigung zur Verfügung gestellt sowie für Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen in Schwierigkeiten und zur Bekämpfung der Kinderarmut eingesetzt. 2017 wurden über 10 Mio. € gesammelt, die gezielt in Aktionen und Maßnahmen eingesetzt werden.
 
35000 km pro Jahr
 
„Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung vonseiten von CAP48, da wir durch den Ankauf des Transporters wieder eine gewisse Planungssicherheit für die Zukunft gewinnen.  Während des Jahres sind wir ausschließlich als Roller Bulls Ostbelgien mit diesem Fahrzeug unterwegs und legen hierbei eine Gesamtstrecke von über 35000 Kilometern zurück.  Aus logistischen Gründen steht das Fahrzeug zentral bei unserem Spieler Philippe Minten in Willebroek, der zusammen mit einigen Freunden auch den professionellen Unterhalt gewährleistet. Ohne seinen Einsatz hätte unser betagter Crafter schon längst den Geist aufgegeben“, meinte Teamcoach Stefan Veithen.  Von Willebroek aus werden die Spieler zwei Mal wöchentlich zu den anstehenden Trainingseinheiten in Charleroi eingesammelt. Neben den Trainingsfahrten wird der Transporter auch für die Heim- und Auswärtsspiele der 1. Bundesliga und auch für Turnierbesuche genutzt.  „In unserem Transporter finden sieben bis acht Spieler Platz; viel wichtiger ist aber auch der Transport von bis zu elf Rollstühlen.  Ohne unseren Transporter müssten wir stets mit einer kompletten Wagenkolonne unterwegs sein“, erklärte Stefan Veithen weiter.
 
Aufwändiger Umbau
 
Allerdings bringt die neue Transportmöglichkeit für die Verantwortlichen der Roller Bulls Ostbelgien auch finanzielle Probleme mit sich. Die 25000 € von CAP48 reichen gerade mal für den Ankauf eines „nackten“ Fahrzeugs.  Um diesen Crafter behindertengerecht umzubauen, müssen die Roller Bulls Ostbelgien nochmals ca. 30000 € in die Hand nehmen. „Wir sind ein kleiner Verein, der mit bescheidenem Etat arbeiten muss.  So sind wir bereits sehr froh, dass wir Dank unserer treuen Sponsoren finanziell immer wieder so gerade die Kurve bekommen.  Der neue Transporter sprengt daher aufgrund der fälligen Leasingraten für den Umbau alle budgetären Planungen. Aus diesem Grund möchten wir unseren Crafter als internationale Werbefläche vermarkten, da wir in ganz Belgien und auch von Hamburg bis München auf Achse sind.  Es wäre toll, wenn viele Fans und Freunde am Sonntagnachmittag ab 14 Uhr zum Familientag kommen könnten um dann auch vor Ort die verschiedenen Möglichkeiten unseres neuen Fahrzeuges zu begutachten“, erklärte Teamcoach Stefan Veithen. 
 
Kellerduell gegen Köln99ers
 
Darüber hinaus kommt es am Sonntagnachmittag zu einem richtungsweisenden Spiel, empfangen die Roller Bulls Ostbelgien doch das Tabellenschlusslicht aus Köln.  Um die Klasse zu halten muss das Team von Stefan Veithen unbedingt gegen die Rote Laterne weitere Punkte einfahren. „Der Sieg gegen München kurz vor Weihnachten war schon wichtig für die Moral.  Wir haben wieder Hoffnung geschöpft und möchten nun gegen die Köln99ers unbedingt nachlegen. Mit sechs Punkten halten wir dann den Anschluss zum rettenden Tabellenufer.  Also erwartet die Zuschauer ein packendes, mit allen Haken und Ösen geführtes Spiel, viel Information rund um unseren neuen Transporter und selbstverständlich am Familientag traditionsgemäß leckeren, selbst gemachten Kuchen.“

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Nachgefragt: Dr. Stefan Förster, Direktor der Dienststelle für selbstbestimmtes Leben in Ostbelgien
 
„Es bleibt noch viel in Sachen Inklusion zu tun!“
 
Die Dienststelle für selbstbestimmtes Leben ist der Ansprechpartner für CAP48 in Ostbelgien.  Unsere Zeitung hatte die Gelegenheit mit dem Direktor, Dr. Stefan Förster, bezüglich des Engagements für die Roller Bulls Ostbelgien zu sprechen.
 
Wie kam es zum Engagement von CAP48, den neuen Transporter der Roller Bulls Ostbelgien mit zu finanzieren?
 
Dr. Stefan Förster:  Die Roller Bulls reichten einen Antrag ein, der seitens CAP48 positiv bewertet wurde.
 
Gab es in der Vergangenheit bereits ähnliche Unterstützungen?
 
Dr. Stefan Förster: CAP48 unterstützt seit vielen Jahren Projekte und Initiativen in Ostbelgien, unter anderem im Bereich des Sports. Bei jeglicher Unterstützung prüft CAP48, ob durch die finanzielle Unterstützung die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung gefördert wird oder das Thema der Inklusion von Personen mit Unterstützungsbedarf öffentliche Aufmerksamkeit erfährt.
 
Wie sieht die Hilfe von CAP48 für dieses Projekt konkret aus?
 
Dr. Stefan Förster: Primär beteiligt sich CAP48 durch die Bereitstellung finanzieller Mittel. Darüber hinaus ist CAP48 aber auch Ansprechpartner für alle Akteure und unterstützt bei der Entwicklung guter Ideen. Auch über einzelnen Projektunterstützungen hinaus ist CAP48 der Motor für die gesellschaftspolitische Debatte zur Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung, zeigt gute Beispiele auf, legt aber auch den Finger in die Wunde.
 
Welche anderen ostbelgischen Projekte werden von CAP48 unterstützt?
 
Dr. Stefan Förster: Derzeit wird mit finanzieller Unterstützung von CAP48 und der Dienststelle ein Projekt vorbereitet, das darauf zielt, die Zufriedenheit von Menschen mit Beeinträchtigung bei der Erbringung von Dienstleistungen und in Bezug auf die Begleitung zu erfassen. Dies soll dabei helfen, diese Dienstleistungen kontinuierlich zu verbessern.
 
Welchen Stellenwert nehmen die Roller Bulls Ostbelgien in Bezug auf das „selbstbestimmte Leben“ in Ostbelgien ein?
 
Dr. Stefan Förster: Um es auf den Punkt zu bringen: die RollerBulls sind ein echtes Aushängeschild für das Thema Selbstbestimmung. In Ostbelgien und weit darüber hinaus. Sie zeigen, dass auch Menschen mit Beeinträchtigung zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind.
 
Ist CAP48 ein wichtiger Partner wenn es darum geht, das „selbstbestimmte Leben“ in Ostbelgien zu organisieren?
 
Dr. Stefan Förster:  CAP48 ist dabei der wichtigste Partner.  Unsere Gesellschaft ist noch lange nicht am Ziel, wenn es um die Inklusion von Menschen mit einer Beeinträchtigung geht.  Unser Kolloquium im Dezember vergangenen Jahres hat gezeigt, dass 40% der Menschen mit einer Beeinträchtigung unter der Armutsgrenze leben, jede zweite Person nimmt nicht an Freizeitaktivitäten teil und jede dritte ist noch nie verreist.  Es bleibt also noch einiges zu tun.
 
Wie sieht die Mitarbeit Ihrer Dienststelle bei CAP48 konkret aus?
 
Dr. Stefan Förster: Verschiedene Projekte werden seitens der Dienststelle ko-finanziert. Die Dienststelle ist erster Ansprechpartner von CAP48 In Ostbelgien.  Die Gelder von CAP48 werden jährlich durch Spenden und Verkaufsaktionen zusammengetragen. Hierbei liegt der Fokus auf die Verkaufsaktion Ende September, Anfang Oktober.  In Ostbelgien werden dabei immerhin ca. 35000 € zusammengetragen. (Quelle: grenzecho/gh)