Nichts für schwache Nerven

Roller Bulls setzen sich mit tollem Schlussspurt mit 81:57 gegen Ulm durch

St.Vith.- Trotz der Außenseiterrolle hatten die Ulmer Rollstuhlbasketballer ihre Säbel gewetzt, um dem Topfavoriten aus St.Vith das Leben so schwer wie möglich zu machen.  Die Roller Bulls fokussieren sich bereits auf das „Spiel der Spiele“ am 23. Januar in Wiesbaden, wo nach Aussage der Sportverantwortlichen die Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht werden soll.  Dass sich die Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner jedoch nicht zu Selbstläufern entwickeln, verdeutlichte sich am vergangenen Samstagabend im SFZ St.Vith eindrucksvoll.

 Die Bulls hatten einen Auftakt nach Maß und gingen bereits nach fünf Sekunden mit 2:0 durch Christoph Van Houcke in Führung.  Mit zunehmender Spieldauer schwand plötzlich die Treffsicherheit bei den beiden St.Vither Top-Scorern Lorenzo Boterberg und Christoph Van Houcke, so dass Ulm trotz eines zwischenzeitlichen 12:6-Rückstandes plötzlich seine Chancen witterte.  Vor allem Dominik Blochin traf in dieser Phase schier aus allen Lagen und verkürzte nach dem ersten Viertel auf 18:14. 

 Grottenschlecht

 Es folgte das wohl schlechteste Viertel der Roller Bulls in der laufenden Meisterschaft.  Taktische Vorgaben wurden ungenügend beachtet während die Trefferquote gen Null sank. In der dritten Minute des zweiten Spielabschnittes gingen die Ulmer zum ersten Mal mit 22:21 in Führung.  Die Bulls stemmten sich zwar durch Treffer von Stefan Veithen, Mounir Moujoud und Christoph Van Houcke dagegen, doch Ulm ließ nicht locker und brachte die Gastgeber das ein ums andere Mal in die Bredouille.  So schafften es die Gäste sogar den knappen Vorsprung bis zur Pause auf 38:29 auszubauen.  Eine entsprechende Pausenansprache von Michael Maréchal schien nach dem Seitenwechsel sofort zu fruchten: die Bulls waren kaum wiederzuerkennen, drängten die Gäste in die Defensive und zwangen sie zu Fehlern.  Nichtsdestotrotz hielten die Ulmer die eigene Trefferquote sehr hoch und konnten so die Führung bis zur 28. Minute konservieren. 

 Ulm sehr diszipliniert

 Mit vollem Einsatz und einem sehenswerten Treffer leitete Arthur Fievet mit der 51:49-Führung die Wende ein.  Dennoch schaffte Ulms Penner quasi mit dem Abpfiff des dritten Viertels die erneute 53:51-Führung. Christoph Van Houcke übernahm im Finalviertel sofort Verantwortung und warf sein Team durch zwei Treffer mit 55:53 in Führung.  Dieses kampfbetonte Spiel der Bulls zeigte sofort Wirkung, so dass die St.Vither Rollstuhlbasketballer diese Führung in den folgenden Minuten stetig ausbauen konnten.  Fünf Minuten vor dem Spielende lagen die Bulls demnach mit zehn Punkten (65:55) in Führung, während sich bei Ulm akute Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten.  Vor allem der konsequenten Verteidigung der Bulls hatten die Sabres nichts mehr entgegenzusetzen.  Herausragende Spieler in dieser Phase waren zweifelsohne Arthur Fievet und der Routinier Mounir Moujoud, die die Ulmer Abwehr quasi im Alleingang aus den Angeln hoben.  Am Ende siegten die Roller Bulls dennoch deutlich und unter dem Strich verdient mit 81:57.  Die Fans zeigten sich jedenfalls ob der tollen Aufholjagd begeistert und bedankten sich bei ihren Bullen auf der obligaten Ehrenrunde mit stehenden Ovationen.

 Die Zwischenstände:

1. Viertel:         18:14

2. Viertel:         11:24

3. Viertel:         22:15

4. Viertel:         30:4

Endstand:        81:57

Es spielten und trafen:

Roller Bulls: Juan Bernal (2), Lorenzo Boterberg (23), Arthur Fievet (16), Ralph Huylebroek, Philippe Minten (10), Mounir Moujoud (6), Bart Nulens (2), Jamaa Saadi, Christoph Van Houcke (29), Stefan Veithen (2)

Sabres Ulm: Dominik Bloching (22), Birgit Meitner, Thomas Paa (5), André Penner (4), Thorsten Schmid (8), Manfred Wolf (9), Patrick Dorner (7), Urs Rechtsteiner (2)

Nachgefragt:

Michael Maréchal, Coach der Roller Bulls: „Wir haben in der ersten Halbzeit ein Pressing versucht, das aber so nicht funktioniert hat.  Dadurch haben wir auch den Gegner gestärkt und haben selbst den Spielfaden und die klare Linie verloren.  Die Spieler waren nicht mehr von sich überzeugt, es schlichen sich Fehler vor allem im Abschluss ein und jeder präsentierte sich genervt.  In der Pause habe ich dann verschiedene Dinge angesprochen und verändert.  Die Moral der Mannschaft hat dann für den heutigen Sieg gesorgt.  Ich bin etwas traurig darüber, dass ich während der zweiten Halbzeit nur fünf Spieler habe spielen lassen, hoffe aber auf das Verständnis meiner Bank.  Wenn wir so weiter arbeiten bis zum großen Finalspiel in Wiesbaden werden wir dort die Meisterschaft klar machen.“

Stefan Veithen, Spieler und Co-Trainer der Roller Bulls: „Vielleicht haben wir den Gegner heute im Vorfeld etwas zu sehr auf die leichte Schulter genommen.  Ulm ist zwar nicht die athletischste Mannschaft, verfügt aber über sehr gute und taktisch disziplinierte Spieler.  Nach dem Hänger in der ersten Halbzeit gaben wir nach dem Seitenwechsel die richtige Antwort. Wir fokussieren uns zwar auf Wiesbaden, doch solche Aussetzer wie heute dürfen wir uns auch gegen vermeintlich schwächere Gegner nicht erlauben.“

Manfred Wolf, Spielertrainer der Sabres Ulm: „Wir haben in der ersten Halbzeit praktisch über unserem Limit gespielt und hatten in der Offensive sehr tolle Aktionen.  In der zweiten Halbzeit wurden dann die Trainingsrückstände aufgrund einiger Verletzungssorgen in der Vergangenheit spürbar.  Gegen Ende brachen wir etwas ein und konnten dem aggressiven und köperbetonten Spiel der Bulls nichts mehr entgegensetzen.  Die Bulls erhöhten ständig den Druck und nutzten ebenfalls ihre tiefere Bank.  Nichtsdestotrotz können wir auf diese gute Leistung heute hier in St.Vith aufbauen um unser Saisonziel, den Klassenerhalt in trockene Tücher zu bekommen.  Die Pflichtaufgaben haben wir gelöst, so dass wir jetzt auch noch die beiden machbaren Aufgaben mit Frankfurt und Lahn-Dill II lösen müssen  Wenn uns das gelingen sollte, ist ein dritter oder vierter Platz möglich.“