Ostbelgien

Roller Bulls Ninane wagen Neustart

Titelanwärter in der 1. Belgischen Liga

Ninane/Lüttich.- In Sportkreisen wurde allerorts das plötzliche Ende der Roller Bulls Ostbelgien bedauert, doch zeigten viele Fans auch Verständnis für diese schwere Entscheidung, den Verein nach erfolgreichen 15 Jahren am Standort St.Vith aufzulösen.  Sportlich und auch wirtschaftlich war der Klub mit dem „Abenteuer Bundesliga“ an seine Grenzen gestoßen, so dass ein Cut zwingend notwendig wurde. 
 
Vor allem die Spieler, die erst spät von den finanziellen Engpässen, die durch die COVID19-Pandemie noch verstärkt wurden, in Kenntnis gesetzt wurden, zeigten Ehrgeiz und Eigeninitiative um die Roller Bulls schlussendlich doch noch am Leben zu erhalten. 
 
Trio Bernal-Jonniaux-Offermann
 
Triebfedern hierbei waren Ur-Gründer Juan Bernal, Marc Jonniaux sowie David Offermann, die zu Dritt alle Hebel in Bewegung setzten, um das Team quasi im Fotofinish für die belgische Meisterschaft anzumelden.  „Ich war im ersten Moment sehr enttäuscht, verärgert und verbittert, denn die Art und Weise, wie wir als Spieler über die Entscheidung informiert wurden schien respektlos.  Das Problem war sicherlich auch, dass wir als Team nur für die sportliche Seite verantwortlich zeichneten, während uns ein mehr als dynamischer Vorstand mit zahlreichen Ehrenamtlichen organisatorisch und wirtschaftlich den Rücken frei hielt.  Dass die Lage so prekär war, hätte niemand erwartet, so dass wir alle davon ausgingen, in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga Süd an den Start zu gehen“, meinte David Offermann. 
 
Nacht- und Nebelaktion
 
Nachdem das Team offiziell vom Vorstand die Nachricht von der Auflösung des Vereins erhielt und aufgefordert wurde, einen neuen Klub zu suchen, starteten die drei Bulls einen Rettungsversuch. „Uns blieben nur zwei Wochen um eine Lösung zu finden und uns der AWBB anzuschließen.  Alles ging ultraschnell und 12 Stunden vor dem Einschreibeultimatum gelang es uns mit meinem ehemaligen Klub, dem BC Ninane, eine Vereinbarung zu treffen.  Ich bin stolz, dass wir ein Happy End feiern können“, erklärte David Offermann.  Bei der Entscheidungsfindung halfen sicherlich Offermanns exzellente Kontakte zum BC Ninane und dem Präsidenten Luc Dubois, der nicht lange zögerte und in der Integration der Roller Bulls eine Chance und eine Aufwertung zugleich für seinen Klub sah.  „Wir waren beim letzten All-Star-Game bereits in Ninane angetreten und wussten hierbei Luc Dubois zu begeistern. Luc war sofort Feuer und Flamme; ich spürte in ihm den Wunsch, die Bulls zu „retten“, während ihn neben dem sportlichen Aspekt auch die soziale Dimension des Projekts ansprach.“
 
Chaudfontaine stärkt die Bulls
 
Mit dem Willen zur Realisation des Projektes gestärkt, gelang es dem dynamischen Präsidenten weitere Mitstreiter ins Boot zu bringen.  „Wir haben eine unglaubliche Unterstützung von der Stadtverwaltung und auch von Chaudfontaines Bürgermeister Daniel Bacquelaine erfahren, so dass wir alle infrastrukturellen Schwierigkeiten schnell lösen konnten.  Bacquelaine hat mich angerufen und mich in unserem Vorhaben, die Bulls in den Klub zu integrieren sogar bestärkt.  Neben dem sozialen und sportlichen Aspekt erkannte der Politiker vor allem einen Mehrwert für das Image unserer Gemeinde. In unserer Halle wurden Lösungen gefunden, damit sich die Rollstuhlbasketballer von Beginn an wohlfühlen und ihrem Leistungssport folgen können.  Für uns und für mich insbesondere ist es wichtig, dass die Roller Bulls nicht nur unseren Namen tragen, sondern vielmehr ein wichtiger Teil unseres Klubs werden und diesen im gesamten Inland bestens vertreten.  Denn den Ehrgeiz der Truppe um Juan Bernal, Marc Jonniaux sowie David Offermann kenne ich, so dass ich für die Zukunft sportlich Großes erwarte.  Die Roller Bulls sind das einzige französischsprachige Team in der ersten Liga und setzen sich unter anderem durch Größen der aktuellen Nationalmannschaft zusammen.  Wenn das keine Herausforderung für uns ist!  Es ist für mich sicherlich eines der schönsten Projekte der vergangenen Jahre, das ich mit auf den Weg bringen durfte“, so Ninanes Präsident Luc Dubois.
 
Ostbelgische Fans
 
Die Roller Bulls Ostbelgien blickten auf eine große Fangemeinde zurück, die der neue Klub am neuen Standort in Ninane gerne ähnlich stark hinter sich versammeln möchte. „Die Stimmung im SFZ St.Vith bei Topspielen mit über 300 Zuschauern war einfach gigantisch.  Das hat das Team zu Bestleistungen beflügelt.  Diesen Spirit möchten wir auch in Ninane zeigen und hoffen auf unsere deutschsprachigen Fans, die unser engagiertes und kampfbetontes Spiel seit Jahren bereis lieben und schätzen“, äußerte sich David Offermann hoffnungsvoll.  Die Saison startet in der ersten belgischen Liga mit derzeit 6 Mannschaften.  Die Roller Bulls bleiben bis auf Lorenzo Boterberg, Philippe Minten (beide Brügge) und Mounir Moujoud (heuerte in der ersten französischen Liga an) als Team zusammen, so dass das gesteckte Meisterziel als durchaus realistisch einzuschätzen ist.  „Wir haben eine gute Truppe, die in einer der besten Ligen der Welt ihre Sporen gesammelt hat.  Diese Erfahrungen werden uns helfen, in Belgien unseren Mann zu stehen. Zurück in der belgischen Meisterschaft sind wir legitime Titelanwärter. Auch wenn wir drei Mannschaftssäulen verloren haben und die Konkurrenz in Belgien stärker geworden ist, treten wir an, um die Meisterschaft zu gewinnen.  Wir sind motiviert, wir sind ehrgeizig und streben die Europameisterschaft in zwei Jahren an“, meinte Juan Bernal. 
 
Neue Bulls denken schon an „Europa“
 
"Tatsächlich können die Bulls dank ihrer Ergebnisse der letzten Jahre und ihres Rufs in einen der Europacups aufgenommen werden. Mehrere Mitglieder unseres Teams haben bereits teilgenommen, und es war eine unglaubliche Erfahrung, reich an außergewöhnlichen Erinnerungen. Es wäre wunderbar, in ein oder zwei Jahren dort zu sein.  Ich träume von einem Roller Bulls Ninane gegen Real Madrid", bemerkte  Luc Dubois.  Allerdings warnt David Offermann vor verfrühter Euphorie, denn die anstehende Saison könne nur als eine Art „Übergangsjahr“ betrachtet werden.  „Das Hauptziel ist es, die Spieler, das Team zum Bleiben zu animieren.  Danach können wir weiter sehen“, so David Offermann.  Das neue Team mit seinen zehn Akteuren stattete den künftigen Einrichtungen in der vergangenen Woche einen Besuch ab und traf hierbei auch die sportlichen Kollegen der D3. „Von Beginn an herrschte eine tolle Harmonie.  Für uns war es eine ausgezeichnete Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen.  Der Wunsch ist es, neue Synergien zwischen den einzelnen Teams zu schaffen und sich somit gegenseitig zu unterstützen.  Vielleicht gelingt es uns ja durch diese gelebte Symbiose auch die Faszination für den Basketballsport im Allgemeinen zu propagieren“, hofft Luc Dubois.  Neben den Fans hoffen die neuen Vereinsverantwortlichen um Juan Bernal auch weiterhin auf die freundliche Unterstützung der treuen Sponsoren aus Ostbelgien. „Wir fangen bei Null an.  Die Spieler, die Motivation, die Faszination sind die gleichen und wir garantieren ein ähnliches Spektakel wie in den vergangenen Jahren am Standort in St.Vith, wo wir viele Freunde gewinnen konnten.  Es wäre toll, wenn wir auch eine solche Unterstützung hier an unserem neuen Standort erfahren“, erklärte Juan Bernal abschließend.  Die Roller Bulls Ninane sind sicherlich eine Bereicherung der belgischen Liga.  Zu dem mutigen Neustart kann man die Protagonisten nur beglückwünschen. (Quelle: Grenzecho/gh)