Ostbelgien

Teamstärke war ausschlaggebend

Roller Bulls setzen sich im Auftaktspiel gegen den Mitfavoriten aus Wiesbaden durch

St.Vith.- Am vergangenen Samstagabend starteten die St.Vither Rollstuhlbasketballer in die neue Saison.  Nach dem bitteren Abstieg aus der Erstklassigkeit steht das Ziel in der 2. Bundesliga Süd mit dem direkten Wiederaufstieg klar und deutlich fest.  In der Sommerpause konnte das Team mit Bart Nulens sowie dem Rückkehrer Christophe Van Houcke entsprechend verstärkt werden.  Hinzu kommt noch der neue Trainer Michael Maréchal, der vom Spielfeldrand die taktischen Geschicke leiten soll.  Dieser neue Coach, der in der Vorbereitung zur Meisterschaft bereits tolle Arbeit geleistet hat, wird den Fans jedoch erst am 17. Oktober vorgestellt. „Michael ist in den Flitterwochen!  Auch ein Coach muss ab und an Prioritäten setzen“, erklärte der für die beiden Auftaktspiele „reaktivierte“ Stefan Veithen.

 Mit den Rhine River Rhinos aus Wiesbaden empfingen die Bulls gleich am ersten Spieltag einen wahren „Hammergegner“, der personell mächtig aufgestockt ebenfalls den Aufstieg anstrebt. 

 Weltmeister und Nationalspieler

 Für die Bulls galt es vor allem, den türkischen Nationalspieler Serdar Antac sowie die kanadische Weltmeisterin Janet McLachlan in Schach zu halten. Gleich mit dem Hochball wurde das hohe Tempo bei den Bulls deutlich.  Mit der Starting Five Jamaa Saadi, Arthur Fievet, Bart Nulens, Mounir Moujoud und Lorenzo Boterberg wurden die Gäste eindrucksvoll bearbeitet. Fievet, Saadi, Nulens und Boterberg sorgten hierbei schnell für eine 8:2-Führung wobei vor allem die Kombinationsfreude bemerkenswert war.  Rhino-Coach Christa Weber reagierte sofort und stellte das System der Gäste entsprechend um, so dass Janet McLachlan zusammen mit David Amend zwischenzeitlich auf 10:6 verkürzten.  Das variantenreiche Aufbauspiel der Bulls brachte jedoch weiter Früchte, so dass die Gastgeber ihren Vorsprung bis zur 8. Spielminute auf 15:6 ausbauen konnten.  In der Schlussphase entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, der die Qualität und Güte beider Teams eindrucksvoll unterstrich.  Die Roller Bulls behielten jedoch die Oberhand und schafften es immer wieder der wechselnden Taktik der Rhinos etwas entgegenzusetzen.  Nach dem ersten Viertel lagen die Gastgeber somit verdient mit 25:18 in Führung. 

 Souveräner Bulls-Auftakt

 Auch die hohe Punktzahl verdeutlichte das tolle Niveau der Partie bei dem die Zuschauer beider Lager voll auf ihre Kosten kamen. Mit dem Elan des Auftaktviertels starteten die Bulls in den zweiten Spielabschnitt.  Nach zwei Minuten lag das Team von Stefan Veithen bereits mit 32:24 in Führung.  Wiesbaden reagierte mit einer Auszeit und einer Neuorganisation seiner Defense, doch die Bulls ließen sich in dieser Phase nicht zuletzt durch einen exzellenten Lorenzo Boterberg, der das gesamte Team motivierte und mitriss und bis zum Ende 32 Punkte erzielte nicht beirren.  So wuchs der Vorsprung zur Hälfte des zweiten Viertels auf neun Punkte heran.  Unverständlicherweise schlichen sich ab diesem Moment Ungenauigkeiten ins bis dato perfekt abgestimmte Aufbauspiel der Bulls ein, das einen deutlich Bruch im Spielfluss bewirkte. „Wir haben bei den Pässen zu hohes Risiko gespielt und durch diverse unnötige Ballverluste den Gegner stark gemacht.  Gegen Topspieler wie Janet McLachlan ist so etwas oft fatal“, bemerkte Stefan Veithen.  Durch die Häufung der Fehler machten sich auch gewisse Selbstzweifel breit, so dass sich die Rhinos bis kurz vor der Halbzeitpause auf 42:40 herankämpften.  Arthur Fievet sorgte mit seinem Treffer aus der Mitteldistanz für den 44:41-Halbzeitstand.

 Fight auf Augenhöhe

Nach dem Seitenwechsel begannen die Gäste aggressiv, während die Bulls mit Juan Bernal auf Erfahrung auf dem Platz setzten.  Das Bulls-Urgestein kaufte den Rhinos in verschiedenen Phasen des Spiels den Schneid ab, während Lorenzo Boterberg vor allem in der Offensive exzellente Akzente setzte.  Nichtsdestotrotz ließen die Wiesbadener nicht locker und gingen in der 22. Minute erstmals durch Oliver Hoffmann mit 47:46 in Führung.  Diese Führung baute Matthias Güntner kurz darauf sogar auf 49:46 aus.  Die Bemühungen, das Ruder erneut herumzureißen, scheiterten für Arthur Fievet und Lorenzo Boterberg zunächst am Wurfpech.  Dennoch ließen die Bulls nicht locker und warfen ihre bezeichnende Kampfmoral in die Waagschale.  Hier erwies sich vor allem Youngster Arthur Fievet als „eiskalter Vollstrecker“, schaffte er doch mit drei Treffern in Folge den 54:54-Ausgleich, während Lorenzo Boterberg zwei Minuten vor dem Ende des dritten Viertels für die erneute 59:54-Führung sorgte.  Dieser Vorsprung konnte durch Juan Bernal noch auf 63:56 erhöht werden.  Nach dieser „Berg- und Talfahrt der Gefühle“ fanden die Bulls im Schlussviertel zu ihrem gewohnten Spiel zurück.  Passgenauigkeit und eine hohe Erfolgsquote unter dem Korb stellten den 9-Punkte-Vorsprung bis zur 35. Minute (70:61) wieder her.  Ein überragender Oliver Hoffmann und Dreierwürfe von Janet McLachlan ließen diesen Vorsprung jedoch wieder zusammenschrumpfen.  Drei Minuten vor dem Spielende hatten sich die Rhinos wieder auf 2-Punkte (70:68) herangekämpft und witterten erneut ihre Chance auf den ersten Auswärtssieg.  Doch die Bulls zeigten sich mannschaftlich geschlossen und steckten selbst das Ausscheiden von Lorenzo Boterberg, Christophe Van Houcke und Philippe Minten wegen fünf persönlicher Fouls eindrucksvoll weg.  Am Ende siegten die Bulls verdient mit 78:72, wenngleich die Partie erneut nichts für schwache Fannerven war.  Diesen Auftaktsieg gegen einen Mitfavoriten feierten die Bulls wie den Aufstieg.  Die Fans jedenfalls waren begeistert, erlebten sich doch erneut einen Basketballkrimi der Extraklasse.

 Die Zwischenstände:

 1. Viertel:         25:18

2. Viertel:         19:23

3. Viertel:         19:15

4. Viertel:         15:16

 Endstand:        78:72

Es spielten und trafen für die

 Roller Bulls: Juan Bernal (2), Lorenzo Boterberg (32), Arthur Fievet (18), Philippe Minten (7), Mounir Moujoud (8), Bart Nulens (2), Jamaa Saadi (6), Christophe Van Houcke (3), Stefan Veithen, Ralph Huylebroek.

 Rhine River Rhinos: David Amend (16), Serdar Antac (0), Britt Dillmann (0), Thomas Gundert (1), Matthias Güntner (8), Oliver Hoffmann (21), Lukas Jung (0), Janet McLachlan (19), Ralf Schwarz (4), Klaus Weber (4)

 Stimmen zum Spiel

Christa Weber, Headcoach der Rhine River Rhinos: „Es war heute ein sehr enges Spiel.  Ich denke, dass die Roller Bulls hier vor dieser tollen Heimkulisse ihre Angriffe cleverer gespielt haben.  Wir müssen in der Defense halt noch einen Tick besser werden, dann schaffen wir das auch.  Die Offense war mit 72 Punkten sicherlich okay. Unsere Verteidigung war heute eindeutig nicht aggressiv genug, um den Bulls den Schneid abzukaufen.  Ich glaube, dass wir nicht eng genug am Mann waren, um vor allem die schlussendlichen Matchwinner wie Lorenzo Boterberg oder aber Arthur Fievet zu stören. Wir haben am Ende auch die hohe Foulbelastung der Bulls nicht ausnutzen können.  Wir haben vieles gut gemacht, doch heute wurde deutlich, dass es bei verschiedenen von unseren Spielern in den brenzligen Situationen noch an Erfahrung mangelt.  Wir arbeiten dran.  Natürlich sind diese beiden Teams Favoriten, aber man soll die Rechnung nicht ohne München oder Frankfurt machen, das diese völlig unberechenbar sind.  Es wird mit Sicherheit eine spannende Saison.“

 

Stefan Veithen, Interim-Coach der Roller Bulls: „Ich denke, dass wir heute besser ins Spiel hereingekommen sind und eine tolle Trefferquote ans Brett brachten.  78 Punkte sind für unsere Verhältnisse mehr als überdurchschnittlich.  Die Rhinos sind ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und überzeugten auch wieder einmal durch ihre Rotation.  Vor allem der junge Olivier Hoffmann hat uns heute viel Kopfzerbrechen bereitet.  Leider hatten wir erneut unsere Phasen gehabt in denen nicht viel zusammenlief.  Das hat aber auch damit zu tun, dass sich Wiesbaden schnell auf unsere taktischen Vorgaben umstellen konnte.  Lorenzo und Christoph hatten schnell drei persönliche Fouls, so dass wir auf der Hut sein mussten.  Dennoch haben wir unseren Spielfluss nach diesen Durststrecken zurückgefunden und bestachen durch unser Kollektiv.  Wir hätten es uns sicherlich einfacher machen können.  Ich bin jedenfalls erleichtert. Es gibt sicherlich viele gute Teams in dieser Serie, doch Wiesbaden hat den Aufstieg als Ziel ausgegeben, so dass wir heute einen wichtigen Teilerfolg in unseren Zielsetzungen erringen konnten.  Die breite Bank macht unser Spiel auch aufgrund der möglichen Rotationen deutlich schneller.  Im vergangenen Jahr mussten wir noch mit unseren Kräften haushalten, jetzt ist Variation angesagt.  Jetzt müssen wir aber auf dem Boden der Realität bleiben, denn wir haben nur mit sechs Punkten gewonnen und es war bis zum Ende ein packender Fight zweier ebenbürtiger Teams.“ (gh)