Ostbelgien

Wer kann die Bulls noch stoppen?

Rosenheim war für starke Bulls kein Gratmesser

"Jetzt nur nicht überheblich werden!"

Rosenheim/Südbayern.- Die St.Vither Rollstuhlbasketballer traten am vergangenen Wochenende ihre längste Auswärtsreise an. „Das sind schon enorme Anreisestrapazen, müssen unsere Spieler doch teilweise von Gent nach Rosenheim 920 Kilometer zurücklegen.  Aufgrund dieser Distanz haben wir auch in München-Ost/Messe übernachtet“, bemerkte Teammanager Edgard Boemer.

Die Bulls reisten ohne den an Rückenproblemen laborierenden Juan Bernal und ohne den in Vaterfreuden schwelgenden Ameler Stefan Veithen nach Südbayern, um dort die begonnene Traumserie fortzusetzen und einen weiteren Schritt in Richtung direkten Wiederaufstiegs zu machen. 

Organisatorische Turbulenzen

„Die Rosenheimer haben derzeit mit organisatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen, da ihre Halle vor zwei Wochen wegen Flüchtlingsunterbringungen kurzerhand konfisziert wurde.  Aus diesem Grund wurde das Spiel auch an Allerheiligen angesetzt“, erklärte Edgard Boemer.  Auch sportlich haben die Rosenheimer keinen guten Saisonstart hingelegt und liegen punktelos auf dem letzten Tabellenplatz. Die Roller Bulls überließen gleich von Beginn an nichts dem Zufall und überzeugten durch ein exzellentes Pressing.  Hierbei übernahm Youngster Arthur Fievet Verantwortung als Verteiler und preschte das Team auch in seiner Rolle als Kapitän nach vorn.  Zusammen mit seinen Teamkollegen Lorenzo Boterberg und Chris Van Houcke bestach er zudem durch eine tolle Trefferquote, die die Gastgeber aus Rosenheim gleich im ersten Spielviertel an den Rand der Verzweiflung brachte.  Die drei Bulls steuerten alleine 68 Punkte zum Sieg ihres Teams bei. Nach den ersten zehn Spielminuten lagen die Bulls bereits souverän mit 22:8 in Führung.  Merkwürdigerweise schlich sich nach diesen fulminanten Auftakt der Schlendrian ins Spiel der St.Vither Rollstuhlbasketballer, so dass die Gastgeber aus Rosenheim das Geschehen etwas ausgeglichener gestalten konnten. „Das war ein Viertel zum Abgewöhnen.  Wirklich jeder hat in diesen zehn Minuten eine mehr als grottenschlechte Leistung abgeliefert“, so der Bulls-Manager selbstkritisch.  Dennoch behielten die Mannen von Michael Maréchal auch hier mit 20:16 die Oberhand und gingen mit einem soliden Punktepolster von 42:24 in die Pause.

Trio Infernale

Die Halbzeitpause nutzte Coach Michael Maréchal zur taktischen Neuorientierung, so dass die Bulls  wie ausgewechselt ins dritte Viertel gingen und dem Gegner zu keinem Augenblick nur den Hauch einer Chance ließen.  Mit einem 25:5-Durchmarsch und einer 67:29-Führung sahen die ostbelgischen Rollstuhlbasketballer somit ziemlich entspannte dem Finalviertel entgegen.  Die Rosenheimer konnte einem schon Leid tun, denn sie hatten dem konsequenten Pressing der Bulls auch im Schlussviertel nichts entgegenzusetzen und kamen nur noch sporadisch über die eigene Mittellinie.  „Ja, der Gastgeber war entnervt und mit den Kräften am Boden, so dass der Trainer Kaiser uns darum bat, das Pressing etwas aufzugeben.  Somit haben wir uns in der Schlussphase nur noch auf Absicherung und konzentrierte Defensivarbeit beschränkt.“  Auch das Finalviertel ging mit 23:9 klar und deutlich zugunsten der Bulls aus, die dadurch einen nie gefährdeten und selbst in dieser Höhe mehr als verdienten 90:38-Auswärtssieg landen konnten.  Trotz dieses tollen Ergebnisses übten Edgard Boemer zusammen mit Coach Michael Maréchal etwas Selbstkritik, gilt es doch, die bislang an den Tag gelegte Konzentration beizubehalten.

„Nur nicht überheblich werden!“

„Wir haben im zweiten Spielabschnitt zehn unnötige Punkte an den Gegner abgegeben.  Gegen Rosenheim war das nicht besonders dramatisch, doch gegen Gegner auf Augenhöhe könnte uns diese Nachlässigkeit durchaus zum Verhängnis werden, zumal wir als alleiniger Tabellenführer fortan die „Gejagten“ sind.  Auch in Bezug auf unsere Treffsicherheit bei Freiwürfen müssen wir weiter an uns arbeiten.  Es geht nicht an, dass wir mindestens zehn Freiwürfe verpassen.  Nichtsdestotrotz präsentieren sich unsere Bulls als eingeschworene Einheit, so dass diese kleinen Unzulänglichkeiten mittels Moral und Kampfbereitschaft wettgemacht werden.  Wir haben keine Schwachstellen, jeder kämpft für den anderen und jeder fügt sich nahtlos ins taktische Gesamtgefüge ein.  Das macht richtig Spaß, unseren Jungs bei der Arbeit zuzusehen!“, äußerte sich Edgard Boemer abschließend.  Am 21. November empfangen die Bulls um 19.30 Uhr vor heimischer Kulisse den derzeitigen Drittplatzierten Sabres Ulm.  Auch hier möchten die St.Vither Rollstuhlbasketballer mit entsprechender Fanunterstützung ihre weiße Punkteweste behalten.

Die Zwischenstände:

1. Viertel          8:22

2. Viertel          16:20

3. Viertel          5:25

4. Viertel          9:23

Endstand         38:90

SB DJK Rosenheim: Andreas Bieber (4), Clemens Navratil, Felix Bötsch, Josef Wernberger (6), Michael Schmid jun. (8), Michael Schmid sen. (3), Randolph Uhl (8), Roman Wojnicka (3), Salih Sakak (2), Sascha Simon, Sercan Ismail (4).

Roller Bulls:  Arthur Fievet (18), Bart Bulens (6), Christophe Van Houcke (26), Jamaa Saadi (10), Lorenzo Boterberg (24), Mounir Moujoud (4), Philippe Minten (2), Ralph Huylebroek.

Die weiteren Ergebnisse des 4. Spieltages:

Sabres Ulm                              -           Chocolate Heidelberg             62:50

RBB Iguanas München            -           RSV Lahn-Dill 2                       53:54

Rhine River Rhinos                  -           Mainhattan Skywheelers 2       88:37

 

 

Topscorer der Serie:    Lorenzo Boterberg (89 Punkte)