Ostbelgien

Wieder voll auf Kurs

Roller Bulls Ostbelgien 78 Lahn-Dill Skywheelers 61

Vor zwei Wochen zeigten die Roller Bulls Ostbelgien am Doppelspieltag in Salzburg ihre „zwei Gesichter“ und kehrten mit einer schmerzlichen Niederlage aus der Mozartstadt zurück in die Heimat.  Sicherlich bei der bis Dato lupenreinen Punkteweste kein Beinbruch, doch appellierte Coach Stefan Veithen an die Moral seiner Truppe, um im Heimspiel gegen das Kooperationsteam Lahn-Dill Skywheelers die Scharte entsprechend couragiert und erfolgreich auszuwetzen.  Demnach war am vergangenen Samstagabend im Sport- und Freizeitzentrum in St.Vith sportlich alles auf „Wiedergutmachung“ ausgerichtet.

Eine Hiobsbotschaft ereilte die sportliche Leitung des Klubs in der Woche, erlitt Jamaa Saadi bei einem häuslichen Unfall schwere Brandverletzungen, so dass der Topspieler der Bulls für einige Wochen ausfallen wird. Dagegen kehrte Mounir Moujoud von seinem erfolgreichen Trip vom „Africa Qualifiers Cup“ ins Team zurück.

Nervöser Beginn

Die Bulls starteten mit ihrer Starting-Five um Nazif Comor, Philippe Minten, Ronby Hulsmans, Quoc Binh Pho und Terence Edja-Wato äußerst nervös und zerfahren in die Partie.  Diese anfängliche Schwäche der Bullen wussten die Gäste von Coach David Amend kaltschnäuzig auszunutzen, so dass Lahn-Dill nach zwei Minuten bereits durch Treffer von Shapoor Surkhabi und Tim Diederich deutlich mit 6:0 in Führung lag. Stefan Veithen reagierte sofort mit einer Auszeit um seine Bullen taktisch neu zu justieren, mit Erfolg, denn plötzlich schien der Knoten allmählich zu platzen, so dass Nazif Comor, Robby Hulsmans und Terence Edja-Wato bis zur 7. Minute den 10:10-Gleichstand realisieren konnten.  Die Skywheelers blieben jedoch unbeeindruckt und spulten ihr Spiel weiter entschlossen ab; in der Schlussphase des ersten Viertels drohten die Gastgeber aufgrund eines sehr schlampigen Kombinationsspiels wieder den Spielfaden zu verlieren, so dass Marian Kind und Sebastian Arras die Gäste mit 14:10 in Führung brachten.  In den Schlusssekunden brachte Veithen David Offermann und Mounir Moujoud aufs Parkett, die sich sofort ins Spiel einbrachten und für den Unterschied sorgten.  So konnten die Bulls durch Bart Nulens, David Offermann und Nazif Comor doch noch den 16:16-Ausgleich nach den ersten zehn Spielminuten realisieren.

Bulls-Tornado

Das zweite Spielviertel sollte die Vorentscheidung bringen, denn die Roller Bulls Ostbelgien spielten plötzlich aufgeweckter und waren auch erfolgreicher unter dem gegnerischen Korb.  Nazif Comor, Bart Nulens, David Offermann und Terence Edja-Wato sorgten mit ihren Treffern bis zur 14. Spielminute für ein 26:16-Break.  Dieser Zwischenspurt zeigte Wirkung, denn Lahn-Dill war nun plötzlich spielerisch völlig von der Rolle und schaffte erst in der 15. Minute den ersten Treffer im zweiten Spielabschnitt.  Die Bulls setzten hingegen konsequent nach und schraubten den Vorsprung bis zur Pause auf 16 Punkte hoch (44:28).  Quasi mit dem Abpfiff erhielt Nazif Comor noch zwei Freiwürfe, die Carsten Crombach zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ, die der Unparteiische Caliguri sofort mit einem Platzverweis ahndete und Crombach der Halle verwies. Auch im dritten Spielabschnitt traten die Bulls dominant auf und verwalteten geschickt den eigenen Vorsprung.  Bemerkenswert hierbei sicherlich das ständige Rotieren der breiten Bulls-Bank, was in dieser Saison als absolute Stärke der ostbelgischen Rollstuhlbasketballer zu bewerten ist.  Die Gäste hingegen steckten nicht zurück und versuchten doch noch eine Wende herbeizurufen, doch die Bulls-Defensive stand am Samstagabend erneut wie eine Mauer und ließ nicht viel zu. 

Breite Bullen-Bank

So konnte das Veithen-Team  seinen Vorsprung vor dem Schlussviertel auf 20 Punkte ausbauen (62:42).  David Amend ließ nichts unversucht und setzte im Finalviertel alles auf eine Karte.  Vor allem Tim Diederich wusste in den ersten Minuten zu überzeugen und zu treffen, während sich die Hausherren im Abschluss wenig konsequent erwiesen.  Hinzu kam das Ausscheiden von Nazif Comor in der 37. Minute nach seinem fünften persönlichen Foul.  Die Gäste entschieden das Schlussviertel zwar mit 19:16 zu ihren Gunsten, doch am schlussendlich hochverdienten 78:61-Sieg der Roller Bulls Ostbelgien sollte dies nichts mehr ändern.  Eine tolle Reaktion der ostbelgischen Rollstuhlbasketballer nach der „schallenden Ohrfeige von Salzburg“. 

Nun können die Roller Bulls Ostbelgien vor der eigentlichen Winterpause noch konzentriert das Pokal-Highlight gegen die Thüringia Bulls am 16. Dezember vorbereiten.  Die Thüringia Bulls sind das Nec plus Ultra des europäischen Rollstuhlbasketballs, so dass die Zuschauer bei diesem Top-Spiel des DRS-Pokalviertelfinales voll auf ihre Kosten kommen dürfen.  Einen Termin, den sich kein Sportfan entgehen lassen sollte.

Die Zwischenstände

- 1. Viertel:            16:16

- 2. Viertel:            26:12

- 3. Viertel:            20:14

- 4. Viertel:            16:19

Endstand:            78:61

Es spielten und trafen:

Roller Bulls Ostbelgien: Davy Bukkers (0), Nazif Comor (24), Terence Edja-Wato (12), Robby Hulsmans (4), Philippe Minten (10), Mounir Moujoud (2), Bart Nulens (16), Quoc Binh Pho (0), David Offermann (10), Stefan Veithen (0)

Lahn Dill Skywheelers: Sebastian Arnold (2), Tim Diederich (26), Juliana Meinecke (0), Florian Miller, Marco Zwerger (10), Marian Kind (12), Shahpoor Surkhabi (8), Carsten Crombach, Sebastian Arras (3)

Stimmen zum Spiel:

David Amend, Coach von Lahn Dill Skywheelers: „Verdienter Sieg der Bulls.  Die Routine hat sich am Ende ausgezahlt, die Bulls haben ihren Stiefel konsequent heruntergespielt.  Wir haben noch viel zu lernen, damit wir unsere Leistung auch während 40 Minuten abrufen können.  Über die Leistung der Schiris lege ich heute lieber den Mantel des Schweigens.“

Stefan Veithen, Roller Bulls Ostbelgien: „Wir sind relativ schwer ins Spiel gekommen.  Lahn-Dill ist eine tolle Mannschaft, so dass der Respekt von unserer Seite doch vorhanden war.  Die Gäste haben eine tolle Qualität und können das Tempo auch hoch halten.  Als wir endlich dann zu unserem Spiel gefunden hatten, konnten wir erneut von unserer breiten Bank profitieren.  Jeder hat heute seinen Job zur vollsten Zufriedenheit erfüllt und zum Erfolg beigetragen.  Merkwürdigerweise waren die Unparteiischen in gewissen Phasen des Spiels nervöser als wir Spieler.  Nichtsdestotrotz haben wir unter dem Strich verdient gewonnen, jetzt können wir uns auf das Pokalhighlight vorbereiten.  Hier sind wir allerdings krasser Außenseiter, für uns geht es nur darum, den Zuschauern unseren besten Basketball zu bieten. Selbst eine Überraschung wäre reinste Utopie.  Das Spiel gegen die Thüringia Bulls kann man im Fußball mit einer Partie zwischen Barcelona und dem FC Amel vergleichen.  Auf uns zu wetten wäre demnach nicht ganz seriös.“