"Wir haben alles in unserer Hand"

GOLDMANN DOLPHINS TRIER 55 - ROLLER BULLS 59

Trier.- Als „kleines Finale“ um den Klassenerhalt bezeichneten die Bulls-Verantwortlichen das Derby gegen Trier im Vorfeld.  Wohl niemand hatte mit einem Sieg gerechnet, zumal Topscorer und Spielertrainer Dirk Passiwan den Dolphins im Gegensatz zum denkbar knapp verlorenen Hinspiel zur Verfügung stand und sich in den vergangenen Wochen bereits als starker Rückhalt seines Teams profilierte.  „Wir haben nichts zu verlieren und werden versuchen die Topleistungen der vergangenen Spiele auch in der Arena in Trier aufs Parkett zu bringen.  Am Ende wird dann erst abgerechnet!“, erklärte Bulls-Coach Stefan Veithen vor dem Spiel.

 

Die Trierer begannen die Partie äußerst nervös und zerfahren, so dass die Gäste aus St.Vith das Spielheft übernahmen und schnell durch Arthur Fievet, Lorenzo Boterberg, Mounir Moujoud und Jamaa Saadi zwischenzeitlich mit 9:2 in Führung gingen.  In dieser frühen Phase taten sich die Trierer besonders schwer, verbuchten viele Fehlpässe und vergaben zahlreiche Wurfchancen. 

 

Nervöse Gastgeber

 

Selbst den sonst treffsicheren Routiniers wie Diana Dadzite und Dirk Passiwan fehlte offensichtlich das nötige Zielwasser.  Erst allmählich fanden die Trier zu ihrem gewohnten Spiel und kämpften sich durch Treffer von Jassman, Passiwan, Dadzite und Van De Kuilen langsam heran. Drei Minuten vor dem Ende des Auftaktviertels zog Trier dann durch Dirk Passiwan mit 12:11 an den Bulls vorbei, was die Gäste jedoch nicht aus ihrem gewohnten Spielkonzept brachte.  Das Team von Stefan Veithen behielt die Nerven und spielte konzentriert und ruhig weiter.  Nach dem ersten Viertel lag Trier dennoch knapp mit 16:12 in Führung.  Auch im zweiten Spielabschnitt begannen die Trierer zielstrebiger und bauten den Vorsprung durch Diana Dadzite sofort auf 18:12 aus.  Die St.Vither Rollstuhlbasketballer ließen sich dadurch jedoch nicht aus der Ruhe bringen und hielten den Rückstand durch Treffer der beiden Routiniers Lorenzo Boterberg und Juan Bernal in Grenzen.  Die Nervenanspannung bei den Trierern zeigte sich in den Schlusssekunden des zweiten Viertels, als es zwischen Saunders und Juan Bernal zu einer Rangelei kam, die zwei „unsportliche Fouls“ nach sich zog.  In dieser Szene wurde Triers Podnieks zudem wegen einer Tätlichkeit des Feldes verwiesen. 

 

Platzverweis für Podnieks

 

Zur Pause lagen die Trierer beim Spielstand von 29:22 mit sieben Punkten in Front.  Nach dem Pausentee hatten die Bulls einen Auftakt nach Maß, kämpfte man sich doch durch Treffer von Lorenzo Boterberg und Jamaa Saadi sofort auf 29:28 heran.  Den Atem des Gegners im Nacken spürend wurde die Fehlerquote bei den Trierern erneut größer.  So entwickelte sich ein munteres Kopf-an-Kopf-Rennen das für die zahlreichen Zuschauer in der Arena Trier an Spannung kaum zu überbieten war. Erst in der Schlussphase konnte sich das Team von Dirk Passiwan erneut etwas absetzen, so dass die Dolphins mit einem erneuten 7-Punkte-Vorsprung auf die Zielgerade einbog.   Die Bulls kämpften sich im Finalviertel erneut stetig heran und gingen nach vier Minuten sogar durch Lorenzo Boterberg mit 44:43 in Führung.  Trier hielt dagegen und glich immer wieder aus.  Dennoch behielten die Bulls die Nerven und wussten ihrerseits die Spielzüge erfolgreich abzuschließen.  Eine Minute vor dem Spielende traf Juan Bernal mit einem erfolgreichen Wurf aus der Mitteldistanz zur 55:53-Führung.  Kurz darauf erhöhte Mounir Moujoud auf 57:55, während Van De Kuilen auf der Gegenseite mit seinem Korblegerversuch scheiterte.  Somit war von den Trierern Taktik gefragt, musste man doch bei Ballbesitz der St.Vither innerhalb von 24 Sekunden zumindest einen Korb erzielen. 

 

Mounir behielt Nerven

 

Ein schnelles Foulspiel an Mounir Moujoud brachte den St.Vithern somit zwei Freiwürfe ein, die der Gefoulte selbst sicher zum 59:55-Führungsausbau nutzte.  Jetzt konnte nur ein schneller Dreier die Wende für Trier in den verbleibenden 14 Sekunden bewirken.  Diana Dadzite übernahm hierbei die Verantwortung, scheiterte jedoch um Haaresbreite.  So konnten die Bulls das Spiel weitgehend beruhigen und den Auswärtssieg souverän einfahren.  Eine tolle Mannschaftsleistung, die den Bulls nun wieder den „Roten Teppich“ in Bezug auf den Klassenerhalt ausrollt.  Köln unterlag im Auswärtsspiel dem Aufsteiger aus Kaiserslautern, so dass alles auf ein „Endspiel“ in St.Vith hinausläuft.  Hier dürfte der bereits „Totgesagte“ aus St.Vith vor allem moralisch die besseren Trümpfe besitzen. Auch in den anderen Sporthallen der ersten Rollstuhlbasketballbundesliga gab es einige faustdicke Überraschungen.  So siegte der BG Baskets Hamburg bei den Rollis in Zwickau mit 70:60 und untermauerte dadurch seine Ansprüche auf die Play-Offs.  Im Spitzenspiel besiegte das Oettinger RSB Team den Abonnementsmeister RSV Lahn-Dill im Herzschlagfinale mit 63:61.

 

Die Zwischenstände:

 

1. Viertel:        16:12

2. Viertel:        13:10

3. Viertel:        14:14

4. Viertel:        12:23

Endstand:        55:59

 

 

Es spielten und trafen:

 

Goldmann Dolphins Trier: Martin Koltes (0), Marc Van De Kuilen (8), Karlis Podnieks (2), Chaz Jassman (4), Dirk Passiwan (23), Tyler Saunders (6), Diana Dadzite (12), Peter Müller, Floran Ewertz.

 

Roller Bulls: Mounir Moujoud (14), Philippe Minten (6), Stefan veithen (0), Juan Bernal (7), Arthur Fievet (6), Jamaa Saadi (8), Ralph Huylebroek (0), Lorenzo Boterberg (18)

 

 

Stimme zum Spiel:

 

Stefan Veithen, zufriedener Coach der Roller Bulls: „Wir haben das Spiel von Beginn an angenommen und haben uns nie aus der Ruhe und unser Konzept bringen lassen.  Somit war der heutige Sieg eine Gesamtleistung der Mannschaft zu der ich nur gratulieren kann.  Wir haben die sportlichen Weiterentwicklungen der vergangenen Wochen heute exzellent aufs Parkett gebracht und unter dem Strich wenn auch knapp, aber dennoch verdient gewonnen, da wir stets an uns geglaubt haben.  Natürlich hat uns die Verunsicherung bei einigen Trierern in die Karten gespielt, doch das schmälert keineswegs unsere eigene Leistung.  Wir haben während 40 Minuten hohes Tempo gefahren und haben durchgehalten.  Hier wurde das Mitwirken von Jamaa Saadi deutlich, da wir das Team mehr rotieren lassen konnten.  Jetzt heißt es nur nicht vorschnell abheben, denn vor dem proklamierten Endspiel gegen Köln haben wir mit dem Tabellenschlusslicht aus Jena noch eine weitere sportliche Hürde zu nehmen.  Die Caputs haben noch keinen Punkte auf der Habenseite, so dass größte Vorsicht angemahnt ist.  Es wäre doch schade, wenn wir unsere erkämpfte gute Ausgangssituation im Kampf um den Klassenerhalt durch eine Niederlage gegen Jena verscherzen würden.  Ich hoffe, dass die Fans uns in den noch drei verbleibenden Heimspielen trotz des Karnevals entsprechend unterstützen.  Nach dem heutigen Sieg sieht die Situation für uns wieder sehr positiv aus, zumal wir den Klassenerhalt in eigenen Händen haben.  Wir müssen demnach weiter an uns und unsere Qualitäten glauben und weiter hart arbeiten.  Spielerische Qualitäten der Gegner müssen wir eben durch Kampf, Moral und Herzblut auf dem Spielfeld kompensieren.“

 

 

Dirk Passiwan, Spielertrainer der Goldmann Dolphins Trier: „Das haben wir uns nicht so vorgestellt.  Eigentlich wollten wir durch einen Heimsieg gegen die Bulls den Druck auf unseren Widersacher aus Hamburg im Kampf um den Play-off-Platz erhöhen.  Jetzt sind wir selbst unter Druck geraten, da Hamburg unerwartet gegen Zwickau mit 70:60 siegte.  Im Nachhinein machte sich das Fehlen von Janet McLachlan wegen Verletzung in unseren Reihen besonders nachteilig bemerkbar.  Dadurch fehlten mir und Diana Dadzite die notwendigen Freiräume, unser Spiel zu entfalten.  Wir wurden somit für die Bulls berechenbarer.  Das haben die Ostbelgier recht schnell erkannt und wuchsen kämpferisch über sich hinaus. 26 Punkte in der zweiten Halbzeit sind einfach zu wenig gewesen, um den Gegner aus St.Vith in die Knie zu zwingen.  Jetzt müssen wir weiter an uns arbeiten und uns nicht entmutigen lassen, denn noch sind unsere Saisonziele erreichbar“. 

 

 

Die weiteren Ergebnisse des Spieltages:

 

Goldmann Dolphins Trier       -           Roller Bulls                             55:59

Rolling Devils Kaiserslautern  -           Köln 99ers                             67:49

Oettinger RSB Team              -           RSV Lahn-Dill                        63:61

RSC Rollis Zwickau                -           BG Baskets Hamburg              60:70

Jena Caputs                          -           Mainhattan Skywheelers         40:73

 

 

Die aktuelle Tabelle nach dem 14. Spieltag

 

1

OETTINGER RSB Team Thüringen

24:4 

14 

12 

1070:692 

378 

-

RSV Lahn-Dill

24:4 

14 

12 

1042:636 

406 

3

BSC Rollers Zwickau

20:8 

14 

10 

970:765 

205 

4

GOLDMANN Dolphins Trier

18:10 

14 

952:833 

119 

5

BG Baskets Hamburg

18:10 

14 

965:823 

142 

6

Rolling Devils Kaiserslautern

12:16 

14 

819:890 

-71 

7

Mainhatten Skywheelers

12:16 

14 

769:906 

-137 

8

Köln 99ers (RBBL)

6:22 

14 

11 

720:932 

-212 

9

Roller Bulls St. Vith

6:22 

14 

11 

775:1056 

-281 

10

Jena Caputs

0:28 

14 

14 

510:1059 

-549

 

(Quelle: GrenzEcho - Gerd Hennen)