Wir wollen unbedingt zurück ins Oberhaus

Rollerbulls fiebern dem „Spiel der Spiele“ entgegen – „Am 23. Januar geht es in Wiesbaden um den Aufstieg“

St.Vith.-  Die erste Saisonhälfte in der 2. Bundesliga Süd verlief für die Rollerbulls äußerst positiv.  Mit einer reinen Punkteweste starten die Mannen von Michael Maréchal in die Rückrunde und treffen gleich im ersten Spiel am kommenden Samstag, dem 23. Januar mit den Rhine River Rhinos aus Wiesbaden auf den bislang ärgsten Widersacher der Serie.  Ein Sieg gegen das Team von Headcoach Christa Weber und der kanadischen Topscorerin Janet McLachlan würde den direkten Wiederaufstieg ins Oberhaus des deutschen Rollstuhlbasketballs perfekt machen. Doch zuvor seien laut der sportlichen Verantwortlichen Konzentration, Disziplin und vor allem Taktik oberste Maxime.

Winterpause hemmt Spielpraxis

„Die Zäsur zur Mitte der Saison kommt uns wie auch anderen Teams eigentlich recht ungelegen.  So fehlt uns doch etwas die Spielpraxis, so dass sich einige taktische Unbekannte einschleichen können“, erklärte Co-Trainer Stefan Veithen gegenüber dem Grenzecho.  Hinzu komme auch noch ein entsprechend großer Trainingsrückstand von Youngster Arthur Fievet, der aufgrund seines Uni-Studiums und der Prüfungsperiode kürzer treten musste.  Die vor der Winterpause angedachten Freundschaftsspiele kamen leider nicht zustande, so dass die Taktik für das „Spiel der Spiele“ in den verschiedenen Trainingseinheiten antrainiert werden musste.  Daher erwies sich das Freundschaftsspiel gegen die neu formierte belgische Nationalmannschaft als kleiner Glücksfall.  „Ja, es war sicherlich wichtig für uns, wenigstens ein wenig Spielpraxis zu tanken.  Wir hatten in dieser Partie gegen unsere Kollegen aus ganz Belgien gute, aber auch weniger gute Momente.  Vor allem die personellen Engpässe machten sich im Bereich der schwierigeren Rotationsmöglichkeiten deutlich bemerkbar.  Gegen ein starkes Nationalteam zogen wir am Ende zwar mit 15 Punkten Rückstand den Kürzeren, doch glaube ich, dass wir auf die vielen positiven sportlichen Aspekte für das Spiel gegen die Rhine River Rhinos aufbauen können“, meinte Stefan Veithen weiter. 

Trainingsspiel gegen Nationalteam

Auf die Frage, ob die Favoritenposition der Rollerbulls mit zwei Punkten Vorsprung ein Vorteil sei, verneinte Veithen hingegen deutlich.  „Für beide Mannschaften steht enorm viel auf dem Spiel.  Der Druck für beide Mannschaften ist summa summarum gleich. Wiesbaden hat im Grunde nichts zu verlieren und kann nur gewinnen.  Ein Sieg mit mehr als sechs Punkten Unterschied gegen uns  bedeutet für die Rhinos im direkten Vergleich die Eroberung der Tabellenführung und damit dann auch wahrscheinlich den Aufstieg.  Wir sind uns dieser sportlichen und psychischen Gratwanderung durchaus bewusst und werden uns entsprechend darauf einstellen. Die so genannte „Jägerrolle“ steht uns erfahrungsgemäß sicherlich besser, da wir ein Kampf betontes Team sind, aber jetzt sind wir die Gejagten uns müssen uns anders aufstellen.  Einen zwischenzeitlichen Hänger wie in manch anderer vorangegangener Partie dürfen wir uns auf keinen Fall erlauben und müssen im Gegenteil von der ersten bis zur letzten Sekunde hellwach sein“, so Stefan Veithen.

Sieg bedeutet Aufstieg

Ein Sieg gegen Wiesbaden würde den Bulls den Luxus bescheren, noch zwei weitere Spiele verlieren zu dürfen.  Doch Wiesbaden verfügt über ein tolles Team, das in der laufenden Saison bereits einige sportliche Duftmarken setzen konnte. Die Kanadierin Janet McLachlan ist mit ihrer Erfahrung und ihrer effektiven Spielweise eine der gefährlichsten Spielerinnen auf dem Platz. Dennoch sei es taktisch falsch, sich nur auf die Topscorerin zu konzentrieren, da es in den Rhinos-Reihen weitere Hochkaräter gebe, die ein Spiel entscheiden können. „Im Hinspiel hatten wir beispielsweise einen Oliver Hoffmann gar nicht auf unserem Plan, doch er war es, der uns das Leben richtig schwer gemacht hat. Aber auch bei Namen wie David Amend, Matthias Güntner oder Klaus Weber ist natürlich Vorsicht geboten“, so Co-Trainer Stefan Veithen in der Analyse der gegnerischen Mannschaft. Trotz dieser schweren Vorbereitungsphase ohne Test- und Trainingsspiele kann Michael Maréchal personaltechnisch aus dem Vollen schöpfen. „Dem Gegner geht es ja in diesem Zusammenhang ja auch nicht unbedingt besser.  Wir können schon froh sein, dass wir keine Verletzten zu beklagen haben und auf die gesamte Bank zurückgreifen können.  Gerade diese breitere Aufstellung stellt unsere diesjährige Stärke dar, da wir in entscheidenden Situationen sofort reagieren und die Taktik anpassen können.“ Ein weiterer Trumpf dürfte zweifelsohne auch die angekündigt große Fangemeinde sein, die in Wiesbaden die Rollerbulls lautstark unterstützen möchte.

Große Fanunterstützung

„Es ist schon toll zu sehen, wie unsere Fans hinter der Mannschaft stehen und den Sieg ebenso wie wir wollen.  Diese massive Unterstützung ist in der Bundesliga sicherlich selten“, erklärte Veithen mit sichtlichem Stolz.  Derzeit haben bereits 70 Fans die Fanbusreise nach Wiesbaden gebucht, doch es seien laut Organisatoren noch Plätze frei. „Wir haben den größten Reisebus Ostbelgiens mit 85 Plätzen gechartert, so dass kurzentschlossene Fans noch mitfahren können.  Es wäre sicherlich toll, wenn wir mit annähernd 100 Fans in Wiesbaden für Stimmung für die Bulls sorgen könnten“, bemerkte Felix Arens.  Trotz dieser sportlich exzellenten Vorgaben scheint das Spitzenspiel organisatorisch noch nicht gesichert. Offensichtlich wird die Sporthalle Klarenthal, wo das Spitzenspiel der 2. Bundesliga Süd am kommenden Samstag ausgetragen werden soll, kurzfristig zur Notunterkunft für Flüchtlinge umgewandelt.  „Die Kollegen aus Wiesbaden wissen selbst noch nicht, ob in ihrer angestammten Halle gespielt werden wird oder nicht.  Sollten die Flüchtlinge am Samstag bereits einquartiert worden sein, müssen wir auf eine benachbarte Halle ausweichen.  Das ist aber dann aus Gründen der Terminkollision mit einer Zeitverschiebung auf den Samstagabend verbunden.  Demnach hängen wir plantechnisch doch etwas in der Luft und hoffen so schnell wie möglich Klarheit zu bekommen, zumal wir ja auch die Hinreise nach Hessen gründlich planen müssen“, äußerte sich Stefan Veithen.

Standortwechsel wegen Flüchtlinge

Auch Wiesbaden fiebert dem „Spiel der Spiele“ voller Vorfreude entgegen und gibt sich bewusst selbstsicher.  „Wir haben in den letzten Spielen der Hinrunde eine tolle Form gezeigt und unterstrichen, dass man mit unsere Mannschaft hinsichtlich der Titelvergabe rechnen kann.  Wir haben über die Feiertage hinweg versucht, diese Performance zu kompensieren und zu konservieren, so dass wir hier in der Kurstadt richtig heiß auf den ungeschlagenen Tabellenführer aus Belgien sind“, schrieb Headcoach Christa Weber im Vorfeld der Partie ins soziale Netzwerk. Teammanager Mirko Korder zeigte sich ebenfalls zuversichtlich und optimistisch: „Wir können nach der exzellenten Hinrunde sicherlich voller Selbstvertrauen in die nahe sportliche Zukunft schauen.  Ich bin mir sicher, wenn wir gegen St.Vith wieder an unsere gezeigten Leistungen anknüpfen können, dann haben wir eine sehr gute Chance, das „Spiel der Spiele“ am kommenden Samstag für uns zu entscheiden und das Tor in die Erstklassigkeit sperrangelweit zu öffnen“.   

Interessenten für die Fanbus-Fahrt nach Wiesbaden können sich bei Sylvie Veithen unter der Rufnummer +32 476 89 28 05 anmelden. Abfahrtstellen sind das SFZ St.Vith sowie Saal Peters in Amel. Die Kostenbeteiligung beträgt 15 €. „An Spektakel wird es sicherlich nicht fehlen!“, verspricht Felix Arens abschließend.